Explosives Erbe Die spektakulärsten Bombenfunde der letzten Jahrzehnte

Immer wieder sorgen Blindgänger in der Bundesrepublik für Unruhe und aufwändige Evakuierungen. Sprengstoff-Experten warnen: Noch immer schlummern viele nicht detonierte Fliegerbomben unter deutschem Boden.


Berlin - Zur explosiven Hinterlassenschaft zählen nicht nur britische und amerikanische Fliegerbomben, sondern auch Gewehrmunition, Granaten und Minen. Einige Zündsysteme würden mit zunehmendem Alter immer gefährlicher, sagen erfahrene Sprengmeister.

  • Der letzte tödliche Bomben-Unfall auf einer Baustelle in Deutschland ereignete sich nach Angaben von Kampfmittelexperten 1994 in Berlin-Friedrichshain. Damals detonierte eine Fliegerbombe in einer Baugrube für ein Wohnhaus. Drei Bauleute wurden getötet, 17 Menschen zum Teil schwer verletzt. Berlin gilt mit rund 400.000 Hektar Verdachtsfläche als am stärksten mit Munition belastete Region in der Bundesrepublik.

  • Im hessischen Wetzlar kamen 1990 beim Entschärfen einer amerikanischen Zehn-Zentner-Fliegerbombe zwei Sprengstoff-Experten ums Leben.

  • 1978 wurden in der westfälischen Stadt Rheine bei der Explosion eines Blindgängers drei Menschen getötet und 16 verletzt.

  • Bei einer der bundesweit größten Evakuierungsaktionen seit dem Zweiten Weltkrieg sind am 15. Oktober dieses Jahres in Hannover drei Fliegerbomben entschärft worden. 22.000 Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. Auch zwei Alten- und Pflegeheime mussten geräumt werden.

  • 1997 mussten in Ludwigshafen 26.000 Menschen wegen eines Bombenfundes in Sicherheit gebracht werden.

  • In der Osnabrücker Innenstadt wurden im Dezember 2003 zwei Bombenblindgänger entschärft. 4500 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Auch die Patienten eines Krankenhauses und die Insassen eines Gefängnisses wurden aus der Gefahrenzone gebracht.

Deutschland wird noch lange mit dem explosiven Erbe des Zweiten Weltkrieges zu kämpfen haben. Das beweisen die Einsätze der Kampfmittelräumer in den vergangenen Jahren:

  • In Brandenburg wurden seit 1991 rund 10.000 Tonnen gefährlicher Kriegshinterlassenschaften aus dem Boden geholt.

  • In Nordrhein-Westfalen entsorgten die Dienste allein im Vorjahr 29 500 Kampfmittel, darunter 24.832 Granaten und 1167 Bomben mit einem Gesamtgewicht von über 216 Tonnen. 2,4 Prozent der gefährlichen Entdeckungen mussten dabei direkt am Fundort gesprengt werden. Einen Großeinsatz hatten die Kampfmittelräumer vor dem Weltjugendtag in Köln: Vom Veranstaltungsgelände an den Rheinwiesen, wo Hunderttausende Menschen Papst Benedikt XVI. später zujubelten, wurden im Vorfeld unter anderem 63 Bomben, 2232 Sprengkörper und 73 Kilogramm Munitionsteile entfernt.

  • Der bayerische Kampfmittelbeseitigungsdienst barg 2005 rund 22 Tonnen Weltkriegsmunition. Darunter waren nach Innenministeriumsangaben 33 Spreng- und Splitterbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. In Sachsen fanden die Experten laut Polizei im Vorjahr fünf Bomben mit einem Gewicht von über zehn Kilogramm sowie 483 mit einer geringeren Masse. Darüber hinaus wurden rund 160 Minen geborgen.

  • Der Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern spürte im vergangenen Jahr 123 Tonnen Kampfmittel und Kampfmittelteile im ganzen Land auf. Die dortigen Experten gehen von 40.000 Hektar Kampfmittel-belasteten Flächen aus. In Niedersachsen müssen die Mitarbeiter der Entschärfungstrupps im Jahresmittel rund 1500 bis 1700 Mal ausrücken. Jährlich werden etwa 130 Bomben entschärft und rund 100 Tonnen Munition sichergestellt.

  • Im Zweiten Weltkrieg war Berlin von Herbst 1943 an fast täglich Angriffsziel alliierter Bomber. Feuerwerker der Polizei gehen davon aus, dass immer noch etwa tausend nicht detonierte Fliegerbomben im Boden der Hauptstadt stecken.

jjc/dpa/ddp



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