Wetter in Europa Spanischer Nationalpark von Waldbrand bedroht – Großbritannien warnt erstmals überhaupt vor extremer Hitze

Die Menschen in Südeuropa erleben eine Hitzewelle, auch das Vereinigte Königreich stellt sich nun auf Rekordtemperaturen ein. In Frankreich könnten starke Winde die Waldbrandsituation noch weiter verschärfen.
Zwei Frauen schauen in Malaga vom Strand auf die Rauchwolke eines Waldbrandes

Zwei Frauen schauen in Malaga vom Strand auf die Rauchwolke eines Waldbrandes

Foto: Hannah McKay / REUTERS

Die anhaltende Hitze und Trockenheit hat in mehreren Ländern Südeuropas für neue Waldbrände gesorgt. Besonders dramatisch ist die Lage in Portugal. Am Morgen wüteten dort 13 größere und Dutzende kleinere Feuer, wie der Zivilschutz mitteilte. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF zerstörten die Flammen in nur einer Woche mehr als 25.000 Hektar – eine Fläche von etwa 35.000 Fußballfeldern. Die dieses Jahr bisher durch Waldbrände vernichtete Fläche erhöhte sich auf 38.600 Hektar – 35 Prozent mehr als im ganzen Vorjahr.

Die extreme Hitze macht auch den Menschen zu schaffen. Am vergangenen Mittwoch wurde in Pinhao im Distrikt Viseu im Norden des Landes mit 47 Grad die höchste jemals im Juli auf dem Festland Portugals registrierte Temperatur gemessen, wie das Institut für Meer und Atmosphäre (IPMA) mitteilte.

Farmer im westspanischen Guadapero beobachten die Auswirkungen eines Feuers

Farmer im westspanischen Guadapero beobachten die Auswirkungen eines Feuers

Foto: SUSANA VERA / REUTERS/

Beim Nachbar Spanien gilt aktuell in 16 der 17 autonomen Gemeinschaften Hitzealarm. In Andalusien und Extremadura sollten die Temperaturen bis auf 44 beziehungsweise 45 Grad Celsius klettern. Nur die Kanaren vor der Westküste Afrikas bleiben von der extremen Hitze verschont. Die Hitzewelle in Spanien werde vom Ausmaß und der Länge her eine der längsten seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1975 sein, teilte der nationale Wetterdienst mit.

In Malaga haben die Behörden aufgrund eines Waldbrands die Evakuierung von mehr als tausend Menschen angeordnet. Auch nahe der Stadt Cáceres im Südwesten von Spanien wüten derzeit Waldbrände. Eines der Feuer breitete sich in der Nacht auf einen 18.000 Hektar großen Nationalpark aus.

Waldbrände auch in Frankreich und Italien

Aus Frankreich hieß es, die Hitzeperiode sei besonders intensiv und lang anhaltend. In elf Departements galt die Hitzewarnstufe Orange, am Freitag sollen mancherorts Temperaturen um die 40 Grad erreicht werden. Zwei große Waldbrände an der südfranzösischen Atlantikküste breiteten sich weiter aus. In der Nacht zum Freitag evakuierten Einsatzkräfte drei Gemeinden südlich von Bordeaux. Der Zivilschutz warnte vor besonderer Brandgefahr im Rhônetal, wo der Mistral-Wind am Freitag und Samstag über trockene Gebiete fegen dürfte.

Auch Italien kämpft seit Wochen mit Dürre. In fünf nördlichen Regionen entlang des Flusses Po verhängte die Regierung deshalb den Notstand, weitere Regionen könnten folgen. Immer wieder treten Busch- und Waldbrände auf. Gefahr besteht weiterhin auch auf Sizilien und Sardinien. Die Feuerwehr in Südtirol bekämpfte in der Nacht zum Freitag einen Großbrand im Wandergebiet bei Frauwaal. Am nördlichen Teil des bei deutschen Touristen beliebten Gardasees beschäftigten schon seit Sonntag zahlreiche Brände die Behörden.

In Griechenland wurden binnen 24 Stunden 108 Waldbrände gezählt, teilte die Feuerwehr mit. Ein besonders großes Feuer südlich der kretischen Hafenstadt Rhethymno konnte wegen starken Windes zunächst nicht unter Kontrolle gebracht werden, die Ortschaft Orne wurde vorsorglich evakuiert. Auch südöstlich von Athen brannte es, den Anwohnern der Siedlung Feriza wurde per Warn-SMS empfohlen, die Gegend vorerst zu verlassen. Für Samstag riefen die Behörden für etliche Regionen wieder die zweithöchste Waldbrand-Warnstufe aus – darunter auch der Großraum Athen und mehrere Urlaubsinseln.

Rekord in Großbritannien möglich

Auch abseits von Südeuropa macht das Wetter Mensch und Natur zu schaffen. In Großbritannien hat das zuständige Met Office erstmals in seiner Geschichte eine Warnung vor so extremen Temperaturen herausgegeben. »Außergewöhnliche, möglicherweise rekordverdächtige Temperaturen sind am Montag und dann wieder am Dienstag möglich«, teilte das Met Office mit. »Dies wird wahrscheinlich zu weitreichenden Auswirkungen auf Menschen und Infrastruktur führen«, so die Behörde weiter. Schulen kündigten als Reaktion frühere Schließzeiten an. Statt Schuluniformen darf in einigen Schulen dann Sportkleidung getragen werden, Sportveranstaltungen werden verlegt.

Die Warnung gilt für ein großes Gebiet zwischen London, Manchester und dem Tal von York. Der bisherige britische Hitzerekord liegt bei 38,7 Grad Celsius – gemessen im Juli 2019. Meteorologen rechnen damit, dass dieser Wert übertroffen wird. Met-Office-Sprecher Grahame Madge befürchtet gar Temperaturen von 40 Grad. »Wenn 40 Grad erreicht werden, ist das eine neuralgische Schwelle, die zeigt, dass der Klimawandel jetzt bei uns ist«, sagte Madge.

Das Met Office hatte bereits vor Kurzem vor gesundheitlichen Risiken durch Hitze gewarnt – Stufe drei auf der Warnskala. Nun rief die Behörde Stufe vier aus. Dies gilt laut Erklärung »wenn eine Hitzewelle so schwerwiegend und/oder langandauernd ist, dass ihre Auswirkungen über das Gesundheits- und Sozialsystem hinausgehen. Auf dieser Ebene können Krankheit und Tod unter fitten und gesunden Menschen auftreten und nicht nur in Hochrisikogruppen.«

svs/slü/dpa
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