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Fabrikeinsturz in Bangladesch Rettungskräfte befreien Überlebende aus Trümmern

Gerade noch hatten die Behörden die letzte Zahl der Toten bekanntgeben: 1034 Leichen sind aus den Trümmern des eingestürzten Hochhauses in Bangladesch geborgen worden. Da kommt eine Meldung, die unglaublich klingt: Eine Frau, Reshma Begum, konnte gerettet werden. 17 Tage nach dem Unglück.

Längst hatten die Rettungskräfte die Hoffnung aufgegeben, noch Überlebende zu finden unter den Trümmern des eingestürzten Fabrikgebäudes. Mehr als 1000 Leichen haben sie inzwischen geborgen, zweieinhalb Wochen nach der Katastrophe. Doch am Freitagnachmittag machten Arbeiter, die damit beschäftigt waren, Betonteile abzutragen, eine überraschende Entdeckung: Dort lag eine Frau, die noch lebte. Man habe eine leise Stimme gehört, und sie habe kraftlos ihre Hand bewegt.

Eine knappe Stunde nach der Entdeckung: Jubel unter den Menschen am Unglücksort. Reshma Begum ist befreit, sie lebt, auf den ersten Blick geht es ihr erstaunlich gut. Die Retter fragen sie nach ihrem Namen und wie es ihr geht. "Reshma", antwortet sie, "und es geht mir in Ordnung." Helfer tragen sie in den Krankenwagen, der sofort davonfährt. Viele Menschen fallen sich in die Arme, manche weinen. Jemand dankt Gott über Lautsprecher, die Stimme hallt über den Platz mit den Trümmern. "Gott, du bist der Größte! Mögest du die Gefundene retten! Und vergib uns all unsere Sünden", klingt es aus den Lautsprechern.

Mehrere Fernsehsender in Bangladesch zeigten Bilder vom Unglücksort, wo die Räumarbeiten nach der Entdeckung sofort eingestellt worden waren. Die schweren Fahrzeuge wurden weggefahren. "Wir wollen nicht riskieren, dass wir sie verletzen, nur weil wir nicht vorsichtig genug vorgehen", sagte ein Sanitäter. Man habe die Frau im Erdgeschoss des eingestürzten Hauses gefunden. Mit Handsägen arbeiteten die Retter sich vor, reichten der Frau Wasser und etwas zu essen.

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Eingestürzte Fabrik in Bangladesch: "Wir versuchen, die gefundene Person zu befreien"

Foto: STRDEL/ AFP

Das Hochhaus nahe der Hauptstadt Dhaka, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Bislang seien 1034 Leichen gefunden worden, teilten die Behörden am Freitag mit. Die meisten Toten seien Frauen.

Auf das eingestürzte Gebäude waren illegal mehrere zusätzliche Stockwerke gebaut worden. Zudem wurden schwere Maschinen und Generatoren aufgestellt, auf die die Konstruktion des Gebäudes nicht ausgerichtet war. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich etwa 3000 Menschen in dem Gebäude aufgehalten haben.

Der Vorfall gilt als der schlimmste seiner Art in der Geschichte Bangladeschs. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. 18 Textilwerke wurden nach der Katastrophe aus Sicherheitsgründen geschlossen.