Rettungsaktion vor Griechenland 18 Deutsche auf brennender Fähre

Noch immer sitzen mehr als 300 Passagiere auf der brennenden Adria-Fähre vor Korfu fest. Nach Angaben der griechischen Regierung sind auch 18 Deutsche an Bord. Retter können wegen der rauen See nicht auf das Schiff gelangen.


Athen - Auf dem Meer zwischen Griechenland und Italien warten noch immer mehr als 300 Passagiere auf der "Norman Atlantic" auf Rettung: Auf der Fähre war in den Morgenstunden ein Feuer ausgebrochen (Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten zu dem Unglück). "Es ist eine schwierige und sehr komplexe Rettungsmission", sagte Griechenlands Minister für die Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis.

Das italienische Fernsehen zeigte dramatische Bilder: Mehrere Menschen halten sich im Wasser bei hohem Wellengang an einem Gegenstand fest; ein Mensch wird bei starkem Wind per Hubschrauber aus dem Wasser geborgen. Wellen bäumen sich im Hintergrund auf. Wind bis Stärke 8 und eine raue See behindern die Evakuierung der Passagiere.

An Bord des Schiffes sind auch 18 Deutsche, darunter zwei Kinder, teilte ein Sprecher des Ministeriums für Handelsschifffahrt SPIEGEL ONLINE mit. Ob diese bereits gerettet wurden oder noch auf der Fähre ausharren, ist derzeit unklar.

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Feuer auf Adria-Fähre: An Bord der "Norman Atlantic" gefangen
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte in Berlin, die deutschen Botschaften in Rom und Athen seien eingeschaltet und stünden in Kontakt mit den zuständigen Behörden. "Wir gehen davon aus, dass sich auch Deutsche an Bord befinden." Bei den übrigen Passagieren handelt es sich unter anderem um 234 Griechen, neun Franzosen, drei Belgier, zwei Briten, zwei Niederländer und einen Schweden.

Flammen auf Autodeck

Die griechische Küstenwache twitterte am Sonntagmorgen, dass italienische Retter bestätigt hätten, dass 56 Menschen von der "Norman Atlantic" gerettet worden seien:

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Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass bisher mindestens acht Menschen, darunter drei Kinder, mit einem Hubschrauber gerettet und ins süditalienische Lecce gebracht worden seien. Sie litten an Unterkühlung, aber sonst gehe es ihnen den Umständen entsprechend gut.

Ursprünglich waren mehr als 470 Passagiere an Bord der Fähre, 55 Crew-Mitglieder und rund 200 Autos. Unter den Passagieren waren hauptsächlich Lastwagenfahrer, aber auch Familien mit Kindern. Ausgebrochen war der Brand gegen 3 Uhr auf einem Parkdeck. Die Hitze breitete sich aber schnell bis zum Passagierdeck aus. "Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen", sagte ein bereits geretteter Passagier dem griechischen TV-Sender Mega.

Zu dem Zeitpunkt befand sich das Schiff, das in der Nacht auf dem Weg vom griechischen Hafen Igoumenitsa nach Ancona in Italien war, etwa 44 Seemeilen nordwestlich von Korfu.

Sechs Fähren haben inzwischen einen Kreis um die brennende "Norman Atlantic" gebildet, um sie vor dem Wind zu schützen. Die Rettungsaktion wird von Italien aus koordiniert, sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Dendias. Die griechische Armee habe sechs Hubschrauber geschickt, auch eine Militärmaschine vom Typ Lockheed C-130 ist an der Rettungsmission beteiligt.

Schiff ist manövrierunfähig

Italien sendet ein Boot, zwei Flugzeuge und einen Hubschrauber. Die Hubschrauber können allerdings nur unterstützen und keine Passagiere aufnehmen, auch die Retter können wegen des schlechten Wetters offenbar nicht an Bord.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte maximalen Einsatz bei der Rettung der Passagiere der brennenden Fähre an. Die italienische Marine sei "mit maximaler Beteiligung" bei der Rettung dabei, erklärte er auf Twitter. Italien meldete am späteren Sonntagmorgen ein weiteres Schiffsunglück: Zwei Frachter sind vor Ravenna kollidiert, ein türkisches Handelsschiff gesunken (Lesen Sie hier dazu mehr).

Am späten Sonntagvormittag berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Kapitän, die brennende Adria-Fähre treibe in Richtung Albanien. Das Schiff sei manövrierunfähig. Am Mittag meldete Ansa in Bezug auf den Kapitän, das Feuer sei unter Kontrolle und auf die Brücke 5 beschränkt.

"Die Menschen schreien um Hilfe"

Die Autofähre "Norman Atlantic", nach Angaben des Tracking-Portals "Marinetraffic.com" 187 Meter lang und 26 Meter breit, fährt im Auftrag der griechischen Linie Anek. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, die Situation sei unter Kontrolle. Augenzeugen berichten etwas anderes:

  • Eine Frau sagte griechischen Medien, Passagiere hätten geschlafen, als sie den Alarm hörten, dann zogen sie schnell die Rettungswesten an. Der Boden habe gebrannt.

  • "Wir verbrennen lebend", sagte ein Passagier dem griechischen Fernsehen. "Niemand kann uns retten. Das Feuer tobt. Es gibt gefrierenden Regen und der Wind ist stark. Die Menschen schreien um Hilfe."

  • Eine andere Frau, dessen Cousin auf dem Boot ist, berichtete "Skai TV" von einem Telefonat: "Wir sind fertig", habe der Cousin gesagt. "Wir werden sterben. Es gibt niemanden, der uns retten kann. Wir sitzen in der Ecke und gehen davon aus, zu verbrennen. Bete mit uns."

fln/heb/Reuters/dpa/AFP; Giorgos Christides



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