Fährunglück "Der Kapitän rettete sich als Erster"

Bei dem Fährunglück vor der Kykladeninsel Paros sind mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Geretteten befinden sich 18 Deutsche. Der Kapitän wurde festgenommen. Er soll ein Fußballspiel angesehen haben.


Mitglieder des britischen Kriegsschiffes "Invincible" kümmern sich um gerettete Passagiere der "Express Samina"
REUTERS

Mitglieder des britischen Kriegsschiffes "Invincible" kümmern sich um gerettete Passagiere der "Express Samina"

Athen - Bei dem Fährunglück vor der griechischen Ferieninsel Paros sind 18 deutsche Passagiere mit dem Schrecken davon gekommen. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, waren elf Ärzte aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern unter den Schiffbrüchigen. Außerdem sei eine dreiköpfige Familie aus Hessen aus dem Wasser geborgen worden. Vier weitere Deutsche überlebten das Unglück ebenfalls. Über ihre Identität und Herkunft sei aber noch nichts bekannt.

Insgesamt sind nach amtlichen Angaben aus Griechenland mindestens 63 Menschen bei dem Fährunglück ums Leben gekommen. Neun Menschen würden noch vermisst, sagte der Chef der griechischen Küstenwache. Unter den Toten, von denen bis zum Abend 29 identifiziert werden konnten, sei auch eine 51-jährige Touristin aus Norwegen.

Die Reederei führt das Unglück auf menschliches Versagen zurück. "Wer auch immer am Ruder war, muss blind gewesen sein", sagte Andreas Klironomos, Chef der "Hellas Ferries-Minoan Flying Dolphins" bei einer Pressekonferenz. "Unsere Fähre war kurz vor Auslaufen vom Hafen von Piräus kontrolliert worden. Es wurden keine Mängel festgestellt". An Bord der Fähre waren insgesamt 534 Menschen.

Die "Express Samina" prallte am Dienstagabend 3.200 Meter vor dem Hafen Paros gegen den Portes-Felsen, der auf jeder Seekarte verzeichnet und mit einem elf Kilometer weit sichtbaren Leuchtfeuer markiert ist. Das Schiff schlug leck, brach auseinander und ging in kurzer Zeit unter.

Die "Express Samina" sollte Ende des Jahres aus dem Verkehr gezogen werden
DPA

Die "Express Samina" sollte Ende des Jahres aus dem Verkehr gezogen werden

Fachleute zeigten sich entsetzt darüber, dass die Fähre gegen das deutlich gekennzeichnete Riff prallen konnte. Der Staatsanwalt ordnete die Verhaftung von Kapitän Vassilis Yannakis und vier leitenden Besatzungsmitgliedern an. Ein Teil der Besatzung, darunter auch der Kapitän, soll zum Zeitpunkt der Kollision ein Fußballspiel der Champions League angesehen haben. Nach ersten Aussagen der festgenommenen Besatzungsmitglieder waren nur ein Matrose und ein Kapitän in Ausbildung auf der Brücke. Die Ermittlungen gehen auch der Frage nach, warum die Küstenwache erst nach fast 20 Minuten vom Sinken des Schiffs unterrichtet wurde.

Auch der überlebende deutsche Arzt Erich Schröder aus Hamburg kritisierte die Besatzung: "Der Kapitän war einer der Ersten im Rettungsboot. Ihm ist nichts passiert", sagte der Mediziner dem "Mannheimer Morgen". Nach seinen Angaben starben viele Kinder, weil sie die Rettungswesten nicht allein anlegen konnten. Die Besatzung habe nichts zu ihrer Rettung getan.

Einige der Passagiere konnten auf Rettungsinseln kleine Felseninseln erreichen
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Einige der Passagiere konnten auf Rettungsinseln kleine Felseninseln erreichen

"Uns riss gegen 22.00 Uhr ein fürchterliches Geräusch aus dem Schlaf. Binnen drei Minuten ging das Licht aus. Panik brach aus. Kinder schrien und suchten ihre Eltern. Wir hatten keine Zeit, die Rettungsboote zu benutzen", berichten Passagiere, die von Fischern gerettet wurden.

Das 34 Jahre alte Schiff sollte angeblich Ende dieses Jahres aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, "dass keine Investitionen in die Sicherheit vorgenommen worden sind", sagte ADAC-Experte Robert Sauter.



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