Fährunglück Dramatische Rettungsaktion

Nach dem Brand auf der Ostseefähre "Prinsesse Ragnhild" ist eine 70jährige Norwegerin nach einem Herzanfall gestorben. Die mehr als 1300 Menschen an Bord - darunter 400 Deutsche - kamen mit dem Schrecken oder leichten Verletzungen davon.

Göteborg - Das Feuer auf der Fähre "Prinsesse Ragnhild" hat am Donnerstag ein Todesopfer gefordert. Eine 70 Jahre alte Passagierin aus Norwegen sei im Krankenhaus einer Herzattacke erlegen, die sie bei der Evakuierung des Schiffes erlitten habe, sagte der Verkehrsdirektor der Color Line, Knut Hals, auf einer Pressekonferenz in Göteborg. Die Frau hatte zu den insgesamt vier Verletzten des Schiffsunglücks gehört. Die drei anderen Betroffenen hatten Rauchvergiftungen erlitten. Die Ursache des Brandes im Maschinenraum der Fähre war zunächst nicht klar.

Das Feuer war nach Angaben der norwegischen Reederei Color Line gegen 2.00 Uhr etwa neun Seemeilen von Göteborg entfernt beim Leuchtfeuer Vinga ausgebrochen. Um 2.13 Uhr funkte die Fähre den Notruf "Mayday". 15 bis 20 Minuten später waren die ersten Schiffe - Marineeinheiten und Feuerwehrschiffe, Fähren und Kutter - sowie Helikopter am Unglücksort. Die anschließende Evakuierung verlief nach Angaben der Reederei ohne Panik. Etwa 20 Schiffe und Hubschrauber aus Schweden, Norwegen und Dänemark beteiligten sich an der Rettungsaktion.

Das Feuer habe nicht auf die Passagierbereiche übergegriffen, sondern sei auf den Maschinenraum begrenzt gewesen, teilte die Color Line mit. Dänische und norwegische Feuerwehrleute unterstützten die Crew bei den Löscharbeiten. Am Morgen war das Feuer nach Angaben der Reederei gelöscht. In der Zwischenzeit waren alle 1167 Passagiere von Bord der 205 Meter langen Fähre geholt worden. Allein die Fähre "Stena Danica" übernahm mehr als 600 Passagiere. Bis 7.30 Uhr war der letzte Passagier von Bord gebracht. Die rund 170 Besatzungsmitglieder blieben auf der Fähre.

Die Reisenden - unter ihnen 400 Deutsche und 500 Norweger - wurden anschließend in einen Militärstützpunkt im Hafen von Göteborg gebracht. Die 1981 auf der Kieler HDW-Werft gebaute "Prinsesse Ragnhild" wurde am Mittag in den Göteborger Hafen geschleppt. Unterdessen räumte der Direktor der Color Line, Trond Kleivdal, auf einer Pressekonferenz in Oslo ein, daß die "Prinsesse Ragnhild" bereits vor einem Monat Maschinenprobleme hatte. Das habe aber nichts mit dem nächtlichen Brand im Maschinenraum zu tun. Die Ursache für das Feuer konnte er noch nicht nennen.

Kleivdal rechnete noch in der kommenden Woche mit einer offiziellen Untersuchung des Vorfalls. Ein Feuer im Maschinenraum eines Schiffes wie auf der Fähre "Prinsesse Ragnhild" stellt nach Expertenmeinung immer eine große Gefahr dar. "Fällt der Maschinenraum aus, können auch die Manövrierfähigkeit und andere wichtige Betriebsabschnitte des Schiffes betroffen sein", sagte Jens Schreiter, Schiffssicherheitsexperte beim Germanischen Lloyd in Hamburg.

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