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21. April 2014, 17:49 Uhr

Fährunglück in Südkorea

Angehörige der "Sewol"-Passagiere kritisieren Regierung

Südkoreas Präsidentin kritisiert den Kapitän der gesunkenen Fähre "Sewol" - doch die Angehörigen der Passagiere haben auch am Krisenmanagement der Behörden viel auszusetzen. Besonders die Taktlosigkeit eines Regierungsvertreters empört sie.

Jindo - Lim Son Mi hat Angst. Die 50-Jährige mag nicht zu den Tafeln blicken, auf denen die südkoreanischen Behörden Informationen über die Passagiere des gesunkenen Fährschiffs "Sewol" bereitstellen. Auf den Tafeln sind Informationen zu geborgenen Leichen aufgelistet: Geschlecht, Größe, Haarlänge, Kleidung. So sollen die Toten identifiziert werden.

"Ich habe Angst, die Tafeln auch nur anzusehen", sagte Lim Son Mi. Ihre 16-jährige Tochter Park Hye Son war wie Hunderte andere Schüler auf dem Schiff, die Teenagerin wird noch immer vermisst. "Weil die Informationen sich ähneln, bricht es mir das Herz, wenn ich die Tafeln nur anschaue", sagt die Mutter. Viele Angehörige haben bereits DNA-Proben abgegeben, um die Identifizierung von Leichen einfacher zu machen.

Immer wieder steigen Taucher in den Rumpf der "Sewol" hinunter. Aber die Bergungskräfte haben praktisch keine Hoffnung mehr, Überlebende zu finden. Nun suchen sie im Wrack nach rund 220 Vermissten. Die meisten werden im Bauch der Fähre vermutet, im dritten und vierten Deck. Die beiden Decks wurden nach dem Kentern zu tödlichen Fallen.

Empörung über Verhalten von ranghohem Regierungsmitarbeiter

Kritik am Kapitän und Teilen der Crew gibt es zuhauf, auch von Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye. Das mag berechtigt sein, aber die Pannen im Krisenmanagement der Regierung kann es nicht verdecken. Besonders das Verhalten von Song Young Chur sorgte unter den Angehörigen für Empörung.

Song, ein ranghoher Mitarbeiter im Ministerium für Sicherheit und öffentliche Verwaltung, soll im Raum, in dem Verwandte über den Verbleib der Passagiere informiert werden, fotografiert haben. "Wir sind hier mit den Nerven am Ende, und das ist Ihnen ein Foto wert?", soll ein Betroffener laut der Nachrichtenagentur Yonhap gerufen haben. Song ist inzwischen zurückgetreten.

Ein Sprecher der Präsidentin sagte, der Fall sei eine Warnung an andere. Song habe die Öffentlichkeit gegen sich aufgebracht, indem er Fotos gemacht habe, ohne die Gefühle der Angehörigen zu berücksichtigen.

Es war nur der jüngste einer Reihe von Fehltritten, die die Regierung eingestehen muss. Zunächst hatte sie behauptet, 368 Menschen seien gerettet worden. Die tatsächliche Zahl ist mit 174 weniger als halb so groß. Einige Angehörige haben sich beklagt, dass auch Stunden nach dem Untergang des Schiffes kein Regierungsvertreter sie informiert habe; zudem seien sie zurückgewiesen worden, als sie versuchten, zur Unfallstelle zu gelangen.

Auch die Krisen-Infrastruktur geriet in den Fokus der Kritik. Mehrere Ministerien bauten Notfallzentren auf, koordinierten deren Arbeit aber nicht. Führungskräfte hatten keine Erfahrung im Katastrophenmanagement. So war der stellvertretende Chef des zentralen Hilfszentrums zuvor Chef des Nationalarchivs.

"Vergleichbar mit Mord"

476 Menschen waren an Bord, mehrheitlich Schüler auf dem Weg zur Touristeninsel Jeju. Bislang sind 84 Tote bestätigt, wie aus Informationen der Küstenwache für die Angehörigen der Passagiere hervorgeht.

Präsidentin Park hatte das Verhalten des Kapitäns und mancher Crew-Mitglieder als unfassbar und "vergleichbar mit Mord" bezeichnet. Der Hauptvorwurf lautet, dass viele Menschen möglicherweise hätten gerettet werden können, wenn Lee Jun Seok und seine Crew sofort nach dem Unfall die Evakuierung angeordnet hätten.

Der Befehl kam erst nach einer halben Stunde. Zu dem Zeitpunkt hatte das Schiff schon so viel Schlagseite, dass möglicherweise viele Passagiere im Inneren eingeschlossen waren. Der Kapitän hatte angegeben, er habe die Evakuierung aus Sicherheitsgründen verzögert, weil er befürchtet habe, die Passagiere könnten von der Strömung fortgerissen werden. Er und mehrere Besatzungsmitglieder wurden mittlerweile verhaftet, vier weitere festgenommen.

ulz/AP/AFP

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