Schiffsunglück in Südkorea Polizei verhaftet Kapitän der Unglücksfähre

Er soll das Steuer an eine unerfahrene Kollegin übergeben haben, bevor die südkoreanische Fähre "Sewol" sank. Jetzt wurde der Kapitän des Unglücksschiffs verhaftet. Die Ermittler werfen ihm Verstöße gegen das Seerecht und seine Dienstpflicht vor.

Kapitän Lee Joon-Seok: Als Erster das Schiff verlassen?
REUTERS

Kapitän Lee Joon-Seok: Als Erster das Schiff verlassen?


Seoul - Der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre "Sewol" ist verhaftet worden. Gegen Lee Joon Seok werde unter anderem wegen Vernachlässigung seiner Dienstpflicht und Verstoßes gegen Seerecht ermittelt, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Nach den ersten Ermittlungen wurde die Fähre zum Unglückszeitpunkt nicht vom 69-jährigen Kapitän, sondern von einer unerfahrenen Offizierin gesteuert. Kapitän Lee habe sich zu diesem Zeitpunkt "hinten" im Schiff befunden, sagte Staatsanwalt Park Jae Eok. Bevor das Schiff zu sinken begann, habe der Kapitän die Schiffsführung an die 26-Jährige abgegeben, teilte ein Ermittlerteam aus Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Lee wird zudem vorgeworfen, die sinkende Fähre als einer der Ersten verlassen zu haben.

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist nach wie vor ungeklärt. Experten vermuten, dass das Schiff nach einem Kurswechsel auf einen Felsen lief oder eine scharfe Kurve fuhr, wodurch die Ladung - darunter mehr als 150 Autos - verrutschte, was das Schiff zum Kentern brachte. Am Wrack der havarierten Fähre vor der südkoreanischen Insel Jindo laufen noch die Bergungsarbeiten, die wegen gefährlicher Strömungen jedoch als hochgefährlich gelten.

Bislang wurden nur 28 Leichen geborgen

Die südkoreanische Fähre "Sewol" war am Mittwoch vor der Südwestküste Südkoreas gesunken. An Bord der 6825-Tonnen-Fähre waren 475 Menschen, darunter mehr als 300 Schüler einer Oberschule in Ansan südlich von Seoul. Ihr Vizedirektor Kang Min Kyu, der gerettet wurde, hat sich inzwischen das Leben genommen, berichtete Yonhap.

Der Kapitän und die meisten der 28 Besatzungsmitglieder konnten sich retten. Von Hinterbliebenen wurde Kritik laut, dass die Besatzung das sinkende Schiff verlassen habe, während viele Passagiere noch an Bord waren. Bislang konnten nur 179 Insassen der Fähre gerettet werden. Nach dem Untergang der Fähre wurden bislang 28 Leichen geborgen, mehr als 250 Menschen werden noch vermisst.

mxw/AFP/Reuters

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