Tierschützer schlagen Alarm Rund hundert Delfine auf den Färöern getötet

Tierschutzorganisationen üben an der blutigen Praxis seit Jahren Kritik, nun sind auf den Färöern erneut rund hundert Delfine getötet worden. Sorge bereitet Aktivisten diesmal nicht nur eine neue Tötungsmethode.
Ein Kind berührt nach einer Jagd auf den Färöern einen toten Delfin (Foto vom September 2021)

Ein Kind berührt nach einer Jagd auf den Färöern einen toten Delfin (Foto vom September 2021)

Foto: Nicola Hodgins / WDC / picture alliance / dpa

Medienberichten und Tierschützern zufolge sind auf den Färöer-Inseln abermals Dutzende Delfine getötet worden. Die Tiere seien am Freitag im Skálafjord gesichtet und in den Morgenstunden getötet worden, berichtete der färöische Rundfunk. Die Tötung sei reibungslos verlaufen.

Nach Angaben der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC handelte es sich diesmal um 100 getötete Große Tümmler. Erstmals sei dabei eine spezielle Lanze verwendet worden, mit der der Tod der Delfine schneller herbeigeführt werden soll. Experten sehen dies nach WDC-Angaben kritisch.

Laut der Tierschutzorganisation Pro Wildlife ist die Jagd auch deshalb ungewöhnlich, weil es sich um eine Delfinart handle, die auf den Färöer-Inseln stets nur vereinzelt und seit über zehn Jahren gar nicht mehr gefangen worden sei.

Regierung führte Fangquote ein

Erst vor Kurzem hatte die färöische Regierung die Einführung einer Fangquote für die Jagd auf Weißseitendelfine angekündigt. Demnach dürfen 2022 und 2023 pro Jahr maximal 500 dieser Exemplare gefangen werden. Hintergrund des Schrittes ist eine aus den Fugen geratene Delfinjagd, bei der im vergangenen Spätsommer 1423 Atlantische Weißseitendelfine in den Skálafjord getrieben und getötet worden waren. Das hatte international für Kritik gesorgt. Sogar Walfänger gaben zu, dass das Ausmaß der Jagd »überzogen« gewesen sei.

DER SPIEGEL

Der Walfang (»Grindadráp«), ebenso wie das Essen von Wal- und Delfinfleisch, ist auf den zum dänischen Königreich gehörenden, aber weitgehend autonomen Inseln im Nordatlantik eine jahrhundertealte Tradition.

Hauptsächlich werden Grindwale erlegt, manchmal aber auch Delfine. Färöischen Zählungen zufolge wurden 2020 insgesamt 576 Grindwale und 35 Weißseitendelfine getötet, Große Tümmler deutlich weniger.

fek/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.