Fahndung Sniper meldet sich mit Stimmenverzerrer

Bei der Jagd auf den Sniper von Washington haben sich zwei Verdächtige als unschuldig herausgestellt. Ein Anruf, den die Polizei erhalten hat, soll jedoch vom Sniper stammen, heißt es in Ermittlungskreisen.


Ermittler fahnden nach dem Sniper
REUTERS

Ermittler fahnden nach dem Sniper

Richmond - Die beiden am Montag in Gewahrsam genommenen Verdächtige seien nicht in die Taten des Heckenschützen verwickelt, hieß es aus Kreisen des US-Justizministeriums. Sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort: Ein 24-jähriger Mexikaner und ein 34-jähriger Guatemalteke sollen wegen Verstoßes gegen die Einwanderungsbestimmungen in ihre Heimat abgeschoben werden.

Die Suche nach dem Todesschützen von Washington gestaltet sich zunehmend wie ein makaberer Krimi. Die Sonderkommission zur Aufklärung der Heckenschützen-Morde versucht, mit dem Schützen in Kontakt zu treten, der bereits neun Menschen umgebracht und drei weitere Menschen verletzt hat. Mehrfach tauschten Polizei und ein Unbekannter am Montag kryptische Nachrichten aus.

Der Polizeichef des Bezirks Montgomery, Charles Moose, berichtete, bei den Behörden sei ein Anruf eingegangen, der wahrscheinlich von dem Heckenschütze stamme. "Die Person, die Sie angerufen haben, konnte nicht alles verstehen, was Sie gesagt haben", sagte Moose an den Anrufer gewandt. "Rufen Sie uns zurück, damit wir Sie deutlich verstehen." Bereits am Sonntag hatte Moose den Heckenschützen aufgefordert, sich bei der Polizei zu melden.

Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN hatte die Polizei nach diesem Anschlag einen Anruf erhalten, in dem ein unbekannter Anrufer mit einem ausländischen Akzent schilderte, wo am Tatort ein Schreiben liegen würde. Offenbar benutzte der Anrufer dabei einen Stimmenverzerrer. Die Polizei konnte diesen Angaben zufolge den Anruf auf eine bestimmte Region zurückverfolgen und überwachte dann die Telefonzellen in dieser Region. So sei der eine aus Mittelamerika stammende Mann gefasst worden, als er mit einem weißen Transporter zu einer Telefonzelle fuhr und aus dem Fenster heraus den Hörer abnahm. Das Fahrzeug war dem Lieferwagen ähnlich, das der Heckenschütze fahren soll.

Nachricht bei Ponderosa

Die Polizei hatte in der Nähe des letzten Tatorts eine Nachricht mit einer Telefonnummer gefunden und den Heckenschützen eindringlich aufgefordert, mit ihr in Verbindung zu treten. Bei einer Pressekonferenz sagte Moose: "An die Person, die uns eine Nachricht bei der 'Ponderosa' hinterließ. Sie haben uns eine Telefonnummer gegeben. Wir wollen mit Ihnen reden. Rufen Sie uns unter der Nummer an, die Sie vorgelegt haben."

Die Zeitung "Richmond Times-Dispatch" berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, die aufgefundene Botschaft habe einen aussagekräftigen Text enthalten. Die Polizei habe im Laufe der Ermittlungen mehr als eine Tarot-Karte gefunden.

Absurde Verdächtigungen

Die Jagd auf den Sniper sorgt inzwischen weltweit für absurde Verdächtigungen. So meinten französische Soldaten in einem vermeintlichen Phantombild des Schützen einen 25-jährigen Deserteur der französischen Armee erkannt zu haben. Das Bild hatte der französische Fernsehsender M6 vor zwei Wochen gezeigt. Allerdings hat die Polizei in Washington nie ein Phantombild veröffentlicht. Ein Zeuge, der den mutmaßlichen Schützen aus nächster Nähe gesehen haben will, wurde als Lügner entlarvt und wegen Falschaussage angeklagt.



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