Fall Dutroux Handschellen-Schlüssel im Salzfass versteckt

Ein neuer Skandal erschüttert die belgische Öffentlichkeit: Der verurteilte Kinderschänder Marc Dutroux, der sich derzeit wegen Mordes an mehreren entführten Mädchen vor Gericht verantworten muss, hatte einen Schlüssel für Handschellen.

Arlon/Brüssel - Neben der Zelle des mutmaßlichen Mädchenmörders Marc Dutroux wurden die Schlüssel für die Handschellen gefunden. Unter Berufung auf das belgische Justizministerium berichteten mehrere Zeitungen heute, dass Aufseher die Schlüssel, in einem Salzfässchen versteckt, in einer Küche fanden. Die Küche liegt neben Dutrouxs Zelle, der Gefangene kann sich dort aufhalten. Unklar ist noch, ob es sich um einen Universalschlüssel handelt. Auf dem Weg zwischen dem Gefängnis und dem Gerichtssaal in Arlon, wo seit dem 1. März der Prozess läuft, werden Dutroux Handschellen angelegt.

Dass der verurteilte Kinderschänder über Schlüssel für Handschellen verfügte, ist bereits die dritte Panne seit Beginn der Verhandlungen. Beim Transport zum Gerichtsgebäude hatte einmal die Hecktür des Polizeitransporters offen gestanden - die Beamten versicherte jedoch, dass eine Flucht unmöglich gewesen wäre. Zudem waren Fotos aus der Zelle Dutrouxs in den Medien aufgetaucht.

Während der jahrelangen Untersuchungshaft war Dutroux sogar die Flucht gelungen. Weil weder der Staat noch der Gefangene die Kosten für eine Kopie der umfangreichen Ermittlungsakten übernehmen wollten, wurde Dutroux im April 1998 täglich aus seiner Gefängniszelle in Arlon in das völlig ungesicherte Justizgebäude von Neufchâteau transportiert. Dort passten in einem kleinen Büro im ersten Stock des Gerichts normalerweise drei Polizisten auf. Doch am Tag, als die Flucht gelang, waren nur zwei Gendarme anwesend.

Anders als bei Schwerverbrechern üblich, war Dutroux nicht mit einer Hand am Stuhl oder am Tisch angekettet, während er die Akten studierte. Schließlich bat der Häftling einen der Gendarme, ihm eine weitere Akte zu besorgen. Kaum hatte der Bewacher das Zimmer verlassen, schlug Dutroux den anderen nieder, entriss ihm die Dienstwaffe und rannte aus dem Gebäude. Mit vorgehaltener Waffe zwang er dann einen Autofahrer zum Aussteigen und raste mit dem gestohlen Wagen Richtung Luxemburg.

Das belgische Parlament unterbrach damals sofort seine Sitzung, die Polizei löste Großalarm aus: Tausende Beamte waren im Einsatz, Dutzende Hubschrauber kreisten am Himmel. Nach dreieinhalb Stunden Flucht stöberten Spürhunde den Kinderschänder in einem Waldstück auf. Ohne Widerstand ließ sich Dutroux festnehmen. Später sagte der Gefangene, er sei glücklich, wenn er das Chaos sehe, in das er Belgien gestürzt habe.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.