Fall Elián Gewaltsame Übergabe an den Vater?

Diese Woche soll das Drama um den kubanischen Flüchtlingsjungen sein Ende finden: Nach dem Urteil eines US-Gerichts soll der sechsjährige Elián nun mit seinem Vater nach Kuba zurückkehren. Bei der Übergabe werden gewaltsame Auseinandersetzungen befürchtet.


Washington - Für die Verwandten in Miami ist es die letzte Möglichkeit, die Ausreise des Jungen zu verhindern. Heute wollen sie offiziell Berufung gegen die Gerichtsentscheidung zur Rückkehr des Jungen nach Kuba einlegen. Außerdem ist ein Dringlichkeitsantrag bei einem staatlichen Gericht geplant, das Sorgerecht für Elián bei dessen Großonkel in Miami zu belassen.

Auf Gewalt wollen die Angehörigen verzichten. Das erklärte eine Anwältin der Verwandten in Florida. Allerdings könne niemand garantieren, dass nicht Sympathisanten etwa durch eine Menschenkette Eliáns Wechsel in die Obhut des Vaters zu verhindern versuchten. "Wir leben schließlich, anders als die Menschen in Kuba, in einem freien Land."

Elián mit seinem Großonkel
AP

Elián mit seinem Großonkel

Auch US-Justizministerin Janet Reno will eine erneute Eskalation verhindern. Reno hat Pläne dementiert, wonach der Sechsjährige notfalls mit Gewalt aus dem Haus der Verwandten geholt werden soll. "Ich habe derartige Pläne weder abgesegnet noch erhalten und auch nicht gesehen", sagte Reno gegenüber dem Nachrichtensender CNN. Vielmehr rechne sie damit, dass die Angehörigen ihre Anordnung befolgen und das Kind freiwillig in die Obhut des Vaters übergeben werden.



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