Fall Ulrike Schwerer Gang für ihre Eltern

Eine Obduktion soll klären, ob die gestern gefundene Leiche die seit zwei Wochen verschwundene 12-jährige Ulrike ist. Alles deutet darauf hin, dass es sich um das Mädchen handelt.


Ulrike
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Potsdam/Eberswalde - Die Staatsanwaltschaft geht von einem Tötungsverbrechen aus. Die Obduktion soll letzte Gewissheit über Identität und Todesursache geben. Gegen Mittag soll das Untersuchungsergebnis bekannt gegeben werden. Die Eltern Ulrikes sollen am Freitagvormittag das tote Kind endgültig identifizieren.

Zu Meldungen, nach denen zwei Männer im Zusammenhang mit dem Fall festgenommen worden seien, wollte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) im ZDF-Morgenmagazin "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht Stellung nehmen. Der Minister wies zugleich Vorwürfe zurück, es habe während der Suchaktion Pannen gegeben.

Ein Spaziergänger habe die Leiche in einem einsamen Waldstück nahe des Flugplatzes Werneuchen (Kreis Barnim) - rund 30 Kilometer von Ulrikes Wohnort entfernt - entdeckt, sagte ein Polizeisprecher am Freitagmorgen. Nach Angaben des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) hatten Anwohner vor einigen Tagen nahe dem Fundort Schreie gehört. Die Polizei sei angerückt, habe aber keine Hinweise auf Ulrike entdeckt. Die Polizei bestätigte diese Darstellung nicht. Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass ein anonymer Anrufer den Ermittlern vor einigen Tagen gesagt habe: "Sucht mal am Flugplatz in Werneuchen." Die Polizei bestätigte diese Angaben am Freitagmorgen nicht. Nach bisher ebenfalls unbestätigten Informationen soll die Leiche zumindest teilweise verbrannt und eine Identifizierung deshalb sehr schwierig sein.

Das Kind war am 22. Februar auf dem Weg zum Sporttraining spurlos verschwunden. Seitdem hatte bei einem der größten Einsätze in der Geschichte der brandenburgischen Polizei täglich ein Großaufgebot von mehreren hundert Polizisten, Grenzschützern und anderen Helfern nach dem Mädchen gesucht. Auch Tornados der Bundeswehr kamen zum Einsatz.

Auch am Donnerstag hatten Polizisten im Umfeld von Eberswalde noch nach Ulrike gesucht
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Auch am Donnerstag hatten Polizisten im Umfeld von Eberswalde noch nach Ulrike gesucht

Entgegen bisherigen Erkenntnissen wird nach Angaben Schönbohms angenommen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt gewesen sein könnten. Die Polizei war zuerst davon ausgegangen, dass nur ein Mann das Mädchen nach einem Unfall in Panik mitgenommen haben könnte. An der Theorie des Unfalls werde festgehalten, sagte Schönbohm.

Zu Spekulationen auf eine Entführung Ulrikes hatte ein Eberswalder Polizeisprecher gesagt, es habe in den vergangenen 14 Tagen keinen Versuch eines möglichen Entführers gegeben, mit den Eltern oder der Polizei Kontakt aufzunehmen.



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