Fallschirm-Absturz Mordanschlag im Möllemann-Club immer mysteriöser
Münster - Im Verein jagt seit dem 30. Mai, als eine 31 Jahre alte Krankenschwester bei einem Sprung aus 3000 Meter Höhe in den Tod gestürzt war, ein Gerücht das nächste. Hatte der Attentäter ganz gezielt den Schirm der jungen Frau manipuliert? Bisher gibt es dafür keine Anhaltspunkte - die Sportlerin war allgemein beliebt. Auch für die bislang heißeste Spekulation, der Mörder habe es eigentlich auf Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Jürgen W. Möllemann abgesehen, gibt es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Münster keinen konkreten Hinweis.
Zwar habe der Schirm des Politikers im Depot des Clubs neben dem Gerät der Getöteten gestanden, dennoch wäre dem Saboteur ein solcher Fehler wohl nicht passiert, sagt Vereinsgeschäftsführer Felix de Sacco. "Ein Fachmann wie der, der hier offensichtlich zugange war, hätte die Fallschirme nie verwechseln können." Der von Möllemann sei deutlich größer als der Schirm der viel leichteren Frau. Möllemann, der am Wochenende zum ersten Mal seit dem Mord wieder gesprungen war, hatte zuvor bereits erklärt, er halte einen Anschlag auf seine Person für eher unwahrscheinlich. "Keiner hat vorher kalkulieren können, ob mein Fallschirm sich zu Hause oder im Club befindet." Dennoch sei er "froh über die Mitteilung der Staatsanwaltschaft".
Kein Hinweis auf den Mörder, kein erkennbares Motiv - im idyllischen Springerclub Sendenhorst fühlen sich inzwischen alle bedroht. De Sacco: "Der Schock über den perfiden Mord sitzt tief." Nach dem "hinterlistigen Verbrechen" prüfe jeder seine Ausrüstung jetzt doppelt und dreifach. "Das ist wie bei einem Autofahrer, der immer damit rechnen muß, daß ihm jemand die Bremsschläuche durchgeschnitten hat."