FAO-Report 2003 Der weltweite Hunger wächst

Eritrea, Äthiopien, Mauretanien, Somalia. Seit Jahren verbindet man mit diesen Ländern Bilder von Hunger und Elend. Elend, das auch in den kommenden Jahren die Menschen dort beherrschen wird - denn Afrika ist und bleibt das Sorgenkind der Uno-Ernährungsorganisation FAO. Trotz positiver Ansätze: Der Hunger auf der Welt wächst.


Äthiopische Mutter mit Kind: Weltweit gehen 850 Millionen Menschen abends mit leerem Magen schlafen
DPA

Äthiopische Mutter mit Kind: Weltweit gehen 850 Millionen Menschen abends mit leerem Magen schlafen

Hamburg - Wohl ist es einigen Ländern gelungen, die Zahl der unterernährten Menschen in den letzten Jahren ständig zu senken: Größere Staaten mit gutem Entwicklungspotential wie China und Brasilien sind darunter - aber auch kleine, relativ arme Nationen wie Tschad, Guinea, Namibia und Sri Lanka. Zwischen 1990 und 2001 sank die Zahl der Menschen, die unter chronischem Hunger leiden, in insgesamt 19 Staaten um 80 Millionen.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer, doch für die meisten Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika gilt: Immer mehr Kinder, Frauen und Männer müssen sich abends mit leerem Magen schlafen legen, immer mehr wachen morgens mit Hunger auf. Die Zahl der Hungernden ist laut FAO größer als die gesamte Bevölkerung Lateinamerikas: Rund 850 Millionen Menschen sind weltweit unterernährt, heißt es in dem Bericht. Zwar war es gelungen, die Zahl der chronisch Unterernährten bis Mitte der neunziger Jahre um 37 Millionen zu verringern - zwischen 1995 und 1997 stieg sie jedoch wieder um 18 Millionen an. Diese Daten seien "ein Rückschlag im Kampf gegen den Hunger", heißt es in dem Bericht der Uno-Organisation. Noch 1996 hatte man gehofft, die Zahl der Hungernden bis 2015 halbieren zu können. Ein Ziel, das jetzt laut FAO "in weite Ferne" gerückt sei.

Dabei fehlt es nicht einmal so sehr an Nahrungsmitteln. Für die Ernährungsorganisation mangelt es vor allem am politischen Willen, alle Menschen auf der Welt zu versorgen - denn genug Lebensmittel gäbe es. Hunderte von Millionen Menschen lebten weltweit im Elend, weil ihnen der Zugang zu vernünftiger Bildung, zu Arbeit und politischer Macht fehlten, ist die FAO überzeugt. Deshalb müsse es das Ziel sein, in den betroffenen Staaten drei Faktoren zu verbessern: Das wirtschaftliche Wachstum, der Agrarsektor und das soziale Sicherungsnetz.

Brasilianischer Präsident da Silva: Gemeinsame Aktion gegen das Elend im Land
AP

Brasilianischer Präsident da Silva: Gemeinsame Aktion gegen das Elend im Land

Wie sich der Hunger bekämpfen lässt, zeigt sich für die Organisation der Vereinten Nationen am Beispiel Brasiliens - und damit ein Weg aus der Hoffnungslosigkeit. Dort bemühe sich Präsident da Silva darum, die Unterernährung bis zum Ende seiner vierjährigen Amtszeit zu beenden.

Und er ergreift Maßnahmen, die auch die FAO für effektiv hält - denn er stelle sein "Zero Hunger"-Projekt auf eine breite Basis: "Es gibt eine nationale Allianz gegen den Hunger in Brasilien - sie umfasst die Gewerkschaften, Nicht-Regierungsorganisationen, Schulen, Universitäten, Kirchen und Unternehmen." Erst durch solch eine gemeinsame Anstrengung, hinter der ein gemeinsamer politischer Wille stecke, so die FAO-Experten, könne das Leid der hungernden Menschen ein Ende finden.

Es reiche darum nicht, dass die Weltgemeinschaft erst auf Hunger-Länder in Afrika oder Lateinamerika schaue, wenn dort Naturkatastrophen oder politische Unruhen passierten. Der Hunger sei ein tägliches Problem dort. "Die Welt muss sich die Frage gefallen lassen, warum so viele Menschen hungern müssen, wenn es doch genug für alle gäbe." Hunger, so FAO-Präsident Jacques Diouf, gehe jedes Land an - denn er sei nicht nur eine Tragödie für die Betroffenen, sondern auch eine Bedrohung für das wirtschaftliche Wachstum und die politische Stabilität in der Welt.

Markus Brügge



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