Übergriffe bei Einsätzen FBI erweitert Datenbank zu Polizeigewalt

Die US-Bundespolizei will gewaltsame Polizeiübergriffe besser dokumentieren. Alle Einsätze, bei denen Menschen zu Schaden kommen, werden künftig gesammelt. Bisher liefern nur drei Prozent aller Polizeistationen ihre Daten.


Mit der steigenden Zahl von brutalen Polizeiübergriffen in den USA hat sich eine Ermittlungslücke aufgetan: Dem FBI fehlen ausreichende Daten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Gesetzeshütern und Bürgern. Das soll sich nun ändern.

Das derzeitige System zur Verfolgung solcher Übergriffe sei eine "Travestie", sagte Stephen L. Morris, stellvertretender Direktor der FBI-internen Abteilung Criminal Justice Information Services Division (CJIS). Das ineffektive Verfahren werde bis 2017 durch eine neues ersetzt werden.

In Zukunft sollen nicht nur tödliche Schießereien verzeichnet werden, sondern alle Fälle, bei denen ein Polizist Zivilpersonen eine schwere Verletzung zufügt oder sie tötet. Es sollen zusätzlich Fälle aufgenommen werden, bei denen Pfefferspray, Taser oder körperliche Gewalt zum Einsatz kommen.

Die Änderungen haben oberste Priorität: "Die Leute wollen wissen, was die Polizei tut, sie wollen wissen, warum sie Gewalt anwendet", sagte Morris der "Washington Post".

Nur drei Prozent der Polizeidienststellen erstatten Bericht

Bisher erhält das FBI seine Informationen zu gewaltsamen Übergriffen von den Police Departments. Diese liefern Daten - allerdings auf freiwilliger Basis. Laut "Washington Post" sollen von 2011 bis heute gerade mal drei Prozent der landesweit 18.000 Polizeistationen der Aufforderung nachgekommen sein.

Erst vor zwei Tagen hatte das US-Justizministerium angekündigt, gegen die Polizeibehörde in Chicago ermitteln zu wollen, wo der 17-jährige Laquan McDonald im Oktober 2014 von 16 Polizeikugeln getötet wurde. Justizministerin Loretta Lynch will herausfinden, ob die Polizei in der Metropole systematisch gegen Bundesgesetze und die Verfassung verstoße hat und ob der tödlichen Gewalt gegen Bürger rassistische Motive zugrunde liegen.

Der Vorstoß des FBI folgt auf heftige landesweite Proteste gegen zahlreiche Übergriffe von Polizeibeamten auf Schwarze. Im Sommer 2014 hatte die Tötung des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen ausgelöst. Der verantwortliche Polizist wurde nicht angeklagt, obwohl Brown unbewaffnet war. Im April hatte der Tod des Schwarzen Freddie Gray in Polizeigewahrsam in Baltimore zu Ausschreitungen in der Ostküstenstadt geführt.

ala/Reuters

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