Eskalation in Ferguson Demonstranten sollen auf Polizei gefeuert haben

Die US-Stadt Ferguson erlebt die nächste Krawallnacht - offenbar wurden diesmal Polizisten beschossen. Sie hätten zeitweise "unter schwerem Beschuss" gestanden, sagt die Einsatzleitung. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt.

AFP

Ferguson/St. Louis - Die Situation in der seit Tagen von Ausschreitungen erschütterten US-Stadt Ferguson hat sich in der Nacht offenbar weiter zugespitzt. So sollen Demonstranten auf Polizisten geschossen haben. Die Einsatzkräfte hätten unter "schwerem Beschuss" gestanden, sagte Ron Johnson, der als Offizier der Highway Patrol seit Donnerstag das Kommando über die Polizei in Ferguson hat.

"Das war nicht die Tat von Demonstranten", fügte Johnson laut "Los Angeles Times" auf einer Pressekonferenz hinzu. "Das war das Werk von Gewaltverbrechern." Obwohl auf die Polizisten geschossen worden sei, hätten diese "nicht eine einzige Kugel" zurückgefeuert. 31 Personen seien festgenommen worden, Polizisten hätten zudem bei den Demonstranten zwei Feuerwaffen gefunden und beschlagnahmt.

Unter den Festgenommenen seien auch Zugereiste aus Kalifornien und New York, berichtet die "Los Angeles Times" unter Berufung auf die Polizei. Dies belege, dass unter den Demonstranten auch Auswärtige seien, die eigens für die zum Teil gewalttätigen Proteste anreisen.

Randalierer sollen Molotowcocktails geworfen haben

Nachdem es am Montag lange friedlich geblieben war, hatte es nach Einbruch der Dunkelheit erneut Zusammenstöße gegeben. Einige Protestierende warfen mit Glas- und Plastikflaschen und versuchten, eine Straße zu blockieren; darauf setzte die Polizei Tränengas und Blendgranaten ein. Angeblich sollen Randalierer auch wieder mit Molotowcocktails geworfen haben.

Johnson warf den Demonstranten der Zeitung zufolge vor, zwei Brände in Ferguson gelegt zu haben - einer davon in einem Firmengebäude, ein anderer in einem unbewohnten Haus. Mindestens zwei Personen seien von Protestierenden angeschossen worden. Angaben zu ihrem Gesundheitszustand machte er nicht. "Demonstranten sind friedlich und haben Respekt", sagte Johnson mit Blick auf die angeblichen Gewalttaten. "Sie greifen nicht die Polizei an. Sie werfen keine Molotowcocktails."

An die Medien gerichtet sagte Johnson laut "Washington Post", Journalisten sollten sich von den Straßen fernhalten, sodass die Polizei sich dort ungehindert bewegen könne. "Wir sollten nicht die Taten von Kriminellen glorifizieren", fügte er hinzu.

Zuletzt hatte die Festnahme zweier deutscher Journalisten und eines Pressefotografen in Ferguson Empörung ausgelöst. Die beiden Reporter waren unter fadenscheinigen Gründen ins Gefängnis gebracht und erst nach mehreren Stunden freigelassen worden. Später teilte die "Bild"-Zeitung mit, auch einer ihrer Reporter sei festgenommen worden.

Die Unruhen in dem Vorort von St. Louis (Bundesstaat Missouri) waren durch den Tod eines schwarzen Jugendlichen ausgelöst worden. Ein weißer Polizist hatte vor zehn Tagen den 18-jährigen Michael Brown erschossen, obwohl dieser unbewaffnet war. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen. Erste Autopsie-Ergebnisse sollen diese Version des Tathergangs bestätigen. Seitdem kommt es in Ferguson fast täglich zu Protesten.

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rls/AP/Reuters

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insgesamt 44 Beiträge
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scooby11568 19.08.2014
1. Tatsächlich?
In einem Land, in dem man Waffen kaufen kann, so viele man will, wird auch mal geschossen? Das wundert mich jetzt aber sehr ...
Ernie 19.08.2014
2. Die Demonstranten haben Waffen?
Normal, wo doch fast jeder in den USA sich einfach so Waffen und Munition kaufen kann. In den nächsten Tagen wird aber die Armee die Polizei schützen. Prima, damit wäre doch alles geregelt.
Frank Zi. 19.08.2014
3.
In Missouri gilt die "Castle Doctrine" sowie das "Stand-your-Ground" Gesetz. Vielleicht fühlte sich ein Mitbürger bedroht und hat deshalb geschossen?
blaustift 19.08.2014
4. Gebrauch der Median
Es ist wie in Kiew. Zwei Seiten beschuldigen sich gegenseitig. Ein Funken Wahrheit gibt es hie und da - der Rest is Propaganda.
Big_Jim 19.08.2014
5. Der
hat kurz vorher in einem Supermarkt gestohlen und einen Verkäufer gewürgt und auf den Boden gestoßen. Vielleicht nicht ganz unerheblich, oder? Sicher kein Grund ihn zu erschießen jedoch war der junge Mann kein harmloses Opfer, wie es in der Deutschen Presse dargestellt wird.
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