Festnahmen Frauen stürmen Mönchsrepublik Athos

Aufregung in Nordgriechenland: Vor laufenden Kameras sind sechs Frauen in die Mönchsrepublik eingedrungen, zu der eigentlich nur Männer Zutritt haben. Sie wollen damit gegen Gebietsansprüche der Geistlichen protestieren.


Athen - Die Demonstrantinnen übersprangen den Zaun, der den Bereich vom Rest Griechenlands trennt und gingen spazieren. Der Zwischenfall ereignete sich gestern Nachmittag. Wie das griechische Fernsehen heute Morgen zeigte, wurden die Frauen von Polizisten vorübergehend festgenommen und aus der Mönchsrepublik herausgeführt. Ihnen drohen nun Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten. Die Staatsanwaltschaft von Thessaloniki leitete eine Untersuchung ein. Mit der Verletzung des strengen Zutrittsverbots - dem so genannten Avaton - wollten die Frauen gegen die Athos-Führung protestieren.

Die Mönche beanspruchen insgesamt 8150 Hektar landwirtschaftlich genutztes Land sowie zwölf große Grundstücke in Regionen außerhalb der Grenzen ihrer Republik. "Wir haben nicht gegen das Avaton protestiert. Wir haben es symbolisch verletzt, um auf unser Problem aufmerksam zu machen", sagte eine Sprecherin der Frauen im griechischen Rundfunk. Die Ansprüche der Mönche gehen auf Entscheidungen von Kaisern und Sultanen aus der byzantinischen und der osmanischen Herrschaft zurück. Das akzeptieren die Einwohner nicht, die diese Ländereien kultivieren. Das juristische Tauziehen dauert seit mehr als zehn Jahren an.

Das Zutrittsverbot am Berg Athos wurde zuletzt 1989 von einer deutschen Touristin verletzt. Davor hatten 1969 fünf griechische Urlauberinnen den Boden der Mönchsrepublik betreten. Das Gebiet befindet sich auf der östlichsten Landzunge der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Dort leben zurzeit rund 2500 Mönche. Die Landzunge ist Maria, der Mutter Jesu, gewidmet. Deshalb wird seit Jahrhunderten Frauen der Zutritt untersagt. Dies wird auch von der EU anerkannt. Beim Beitritt Griechenlands in die damalige EWG im Jahr 1981 hatte Brüssel die Ausnahme akzeptiert.

jdl/dpa



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