Feuer in Wohnhaus Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Nach dem verheerenden Feuer in einem Berliner Wohnhaus gehen die Ermittler von Brandstiftung aus, halten aber einen fremdenfeindlichen Hintergrund für unwahrscheinlich. Bei dem Brand waren acht Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder.


Ermittler im abgebrannten Treppenhaus: Bewohner gerieten in die Feuerfalle
DPA

Ermittler im abgebrannten Treppenhaus: Bewohner gerieten in die Feuerfalle

Berlin - Nach Angaben der Feuerwehr wurden in dem vorwiegend von Ausländern bewohnten Haus 25 weitere Personen verletzt, 15 von ihnen schwer. Die genaue Ursache des Feuers ist bislang noch unbekannt, die Ermittler gehen allerdings von Brandstiftung aus. Nach vorläufigen Erkenntnissen waren mehrere im Treppenhaus abgestellte Kinderwagen in Flammen aufgegangen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich "zutiefst erschüttert" über die Brandkatastrophe. Er trauere um die Opfer dieses tragischen Unglücks, und sein tiefes Mitgefühl gelte deren Familien, Freunden und Bekannten. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) schloss einen ausländerfeindlichen Hintergrund für den Brand aus. Es "deutet nichts auf einen politischen Anschlag hin", sagte er. Diese Ansicht teilt auch Oberstaatsanwalt Karl-Heinz Dalheimer. Gegen einen Anschlag spreche allein schon, dass kein Brandbeschleuniger verwendet worden sei, sagte Dalheimer.

Nach Angaben der Feuerwehr wurde die Katastrophe durch Verständigungsprobleme begünstigt. Da kaum einer der Bewohner Deutsch gesprochen oder verstanden habe, seien diese nicht den Anweisungen der Rettungskräfte gefolgt, in ihren Wohnungen zu bleiben. Sie hätten dagegen versucht, über das brennende Treppenhaus zu fliehen, sagte Landesbranddirektor Albrecht Broemme. Bewohner des Hauses wiesen allerdings Sprachprobleme als eine der tödlichen Folgen des Brandes zurück.

Das Feuer war kurz nach 23 Uhr im Erdgeschoss des fünfstöckigen Wohnhauses ausgebrochen. Der Brand selbst war laut Feuerwehr nicht sehr groß und innerhalb weniger Minuten gelöscht. Die Wohnungen seien fast alle noch intakt, sagte ein Sprecher. Doch im Hausflur hätten die Flüchtenden bei Temperaturen von 600 Grad und giftigen Rauchgasen keine Chance gehabt.

Bei den Opfern handelt es sich nach bisherigen Ermittlungen um vier Kinder im Alter zwischen zwei und elf Jahren, eine 17-jährige Jugendliche und drei Erwachsene. Vier der sicher identifizierten Personen waren Mitglieder einer polnischstämmigen Familie. Das fünfte Opfer sei ein 27-Jähriger aus dem Kosovo. Die genaue Identität der drei übrigen Opfer, einer 25-jährigen Frau, eines zweijährigen Mädchens und eines vermutlich fünfjährigen Jungen, sei noch nicht endgültig geklärt.

Im Treppenhaus und in einer Wohnung wurden den Angaben zufolge zunächst sechs Tote gefunden, darunter zwei Kinder. Zwei weitere Kinder kamen mit schweren Brandverletzungen und Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, wo sie kurz darauf starben. Insgesamt wurden 43 Personen evakuiert. Die Überlebenden und Feuerwehrleute wurden psychologisch betreut.

Hausbewohner kritisierten unterdessen die Einsatzkräfte nach dem Brand scharf. Ein Mieter des Hauses sagte, auf den Balkonen des Gebäudes hätten Menschen mehr als eine Stunde auf ihre Rettung gewartet. Von den Feuerwehrkräften seien sie jedoch ignoriert worden. Die Feuerwehr widersprach den Vorwürfen: Man habe das Feuer schneller direkt bekämpfen können, anstatt zuerst alle Bewohner mit Leitern von den Balkonen zu holen.

Mey Dudin und Peter Leveringhaus, ddp



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