Feuersbrunst in Australien "Schnell, gewaltig und grausam"

Es sind die schlimmsten Buschbrände seit Jahrzehnten: In Australien ist die Zahl der Toten inzwischen auf mindestens 108 gestiegen. Premierminister Rudd sprach von einer "wahren Hölle" im Katastrophengebiet.


Sydney - Bei den verheerenden Waldbränden in Australien sind nach Polizeiangaben mindestens 108 Menschen ums Leben gekommen. Besonders schlimm betroffen war der Bundesstaat Victoria. Der Vize-Polizeichef des Bundesstaates, Kieran Walshe, sagte, die Brände seien "sehr schnell, sehr gewaltig und sehr grausam". Mehr als 750 Häuser wurden bei der jüngsten Feuerkatastrophe zerstört. 200.000 Hektar Wald verbrannten.

Besonders betroffen war der Ort Kinglake in der Nähe von Melbourne. Anwohnern berichten, dass Häuser, Geschäfte, Schulen und Tankstellen in Flammen. mindestens 55 Einwohner kamen ums Leben. Zahlreiche Menschen starben in ihren Autos, als sie versuchten, dem Inferno zu entkommen.

Eine Frau aus Kinglake berichtete, bei ihr sei ein Mann mit seiner kleinen Tochter aufgetaucht. Der Mann sei so schwer verbrannt gewesen, dass Hautfetzen an ihm herabgehangen hätten, sagte Marie Jones der Zeitung "Melbourne Age". "Er sagte: 'Ich habe meine Frau verloren, ich habe mein anderes Kind verloren, ich möchte nur, dass sie meine Tochter retten'."

Flucht in den Swimming Pool

Im Touristenort Marysville zerstörten die Flammen alles bis auf ein Haus. Sein Heimatort sei "nahezu vernichtet" worden, sagte der Pfarrer von Marysville, Ivor Jones. Ein Anrufer beim Radiosender ABC sagte, er habe sich vor den Flammen in seinen Swimmingpool geflüchtet und könne vor lauter Rauch kaum etwas sehen.

Tausende Menschen suchten in Notunterkünften Schutz. Vize-Regierungschefin Julia Gillard kündigte ein umfangreiches Hilfspaket für die Notleidenden an.

In drei Bundesstaaten im Südosten des Landes wurden insgesamt mehr als 50 Feuer gemeldet, zum Teil sind sie außer Kontrolle. Die Zahl der Todesopfer überstieg das Ausmaß der sogenannten Aschermittwochbrände von 1983, bei denen im Süden Australiens 75 Menschen ums Leben gekommen waren.

"Die wahre Hölle ist in den letzten 24 Stunden über die guten Leute von Victoria gekommen", sagte der australische Ministerpräsident Kevin Rudd. "Das ist eine schreckliche Tragödie für die Nation." Armeeeinheiten sind in die Region beordert worden, um den 3000 Feuerwehrkräften zu helfen.

Starke Winde sowie die seit Tagen andauernde extreme Hitze fachten die Brände immer wieder an. Die Temperaturen in Melbourne waren am Samstag auf 46,4 Grad geklettert und damit auf den höchsten Wert, der dort je an einem Februartag gemessen wurde. Im Landesinneren überstiegen die Temperaturen sogar die 47-Grad-Marke.

Einige Feuer wurden laut Polizei offenbar absichtlich gelegt. Im Bundesstaat New South Wales wurde nach Angaben der australischen Nachrichtenagentur AAP ein mutmaßlicher Brandstifter festgenommen.

sac/ap/afp/dpa



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