Feuerwehr im Großeinsatz Mindestens zehn Tote bei Brandunfällen

Unglücksserie an Weihnachten: Mindestens fünf Menschen aus einer Großfamilie starben bei einem verheerenden Feuer in Unna. Tote gab es auch beim Brand in einem Seniorenheim - und bei der Explosion eines Wohnwagens auf einem Campingplatz.


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Feuer in der Weihnachtsnacht: Fünf Menschen sterben bei Hausbrand
Unna - Der erste Weihnachtsfeiertag ist von mehreren schweren Bränden überschattet worden, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Das schwerste Brandunglück ereignete sich am frühen Freitagmorgen in Unna, Nordrhein-Westfalen, wo mindestens fünf Menschen in den Flammen starben.

Der Brand brach aus unbekannter Ursache in einem Zweifamilienhaus im Stadtteil Königsborn aus. Dort lebten drei Generationen unter einem Dach, gemeldet waren ein älteres Ehepaar und eine vierköpfige Familie.

Zwei Bewohner konnten sich schwerverletzt aus dem Haus retten. Ein 56-jähriger Mann, der die Feuerwehr über Handy gerufen hatte, schwebte am Nachmittag noch in Lebensgefahr, ebenso wie eine Frau. Sie erlitt schwerste Brandverletzungen, unter anderem im Gesicht.

Nach Angaben der Behörden ist nicht auszuschließen, dass in dem ausgebrannten Haus weitere Menschen starben. Möglicherweise habe die Familie zu Heiligabend Besuch gehabt. "Insgesamt könnten sich bis zu neun Personen in dem Haus aufgehalten haben", sagte Landrat Michael Makiolla. Der 56-Jährige Mann, der den Brand überlebte, war früh zu Bett gegangen und wusste nicht, ob noch Besucher zum Weihnachtsfest kamen oder andere schon gegangen waren.

Notruf in den frühen Morgenstunden

Das Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung hat einen Anbau. Nach ersten Erkenntnissen brach das Feuer möglicherweise dort aus und griff dann auf das Haupthaus über. Der Alarm bei der Feuerwehr ging gegen 4.40 Uhr ein. Sieben Minuten später waren die ersten Löschfahrzeuge am Brandort. Die leblosen Körper zweier Bewohner wurden noch geborgen. Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos. Die drei anderen Leichen wurden erst Stunden später in den Trümmern gefunden.

Die Suche nach möglichen weiteren Opfern dauerte am Freitag an. Am Mittag untersuchten Sachverständige das Haus, konnten aber bislang keine Ergebnisse zur Ursache für das Feuer finden. Leichenspürhunde sind im Einsatz, Helfer räumen die Zimmer aus, in denen weitere Opfer vermutet werden. Immer wieder werden verbrannte Gegenstände auf den Hof geworfen: Die Reste eines Bürostuhls, das Drahtgestell einer Matratze, eine fast unversehrte Laptoptasche, berichten Anwohner.

Zwei Autos, die vor dem Haus abgestellt waren, wurden zerstört. Ein weiterer Wagen, der neben dem Haus stand, wurde stark beschädigt. Vier Löschzüge mit rund 95 Feuerwehrleuten waren im Einsatz. Hinzu kamen mehr als 20 Rettungskräfte.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus: "So eine Tragödie an Weihnachten, das hinterlässt bei uns allen ein Stück Fassungslosigkeit", sagte er auf einer Pressekonferenz. Auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) war nach Angaben eines Sprechers "tief betroffen". Er sprach den Angehörigen sein Beileid aus. "In diesen schweren Stunden sind sie nicht allein", sagte er laut Staatskanzlei.

Rentner verbrennt in Bungalow

Weitere Brände forderten fünf Todesopfer. In Freiburg brach im zweiten Obergeschoss eines Mietshauses Feuer aus. Ein 79-jähriger Bewohner und seine 87 Jahre alte Frau wurden verletzt. Der Mann starb später im Krankenhaus.

Im Berliner Vorort Wandlitz starb ein 67-jähriger alleinstehender Rentner in seinem Bungalow. Er wurde an Heiligabend gegen 22.00 Uhr in den ausgebrannten Räumen gefunden. Ebenfalls in Wandlitz ging ein Bauwagen in Flammen auf, der von Obdachlosen als Notunterkunft genutzt wurde. Im Innern fanden die Feuerwehrleute einen leblosen 52-jährigen Mann. Nach Auskunft der Nachbarn hatte er mehrere Nächte dort verbracht. Die Ursache der Brände ist in beiden Fällen noch unklar.

Auch in einem Seniorenzentrum in Herten bei Recklinghausen brach ein Brand aus. Die Polizei entdeckte in einem Zimmer einen 64-Jährigen tot im Rollstuhl. Zwei Heimbewohner und eine Pflegekraft wurden durch Rauchgase verletzt.

Im baden-württembergischen Donzdorf, Kreis Göppingen, starb eine 47-jährige Frau in ihrem Einfamilienhaus, obwohl sie den Brand in ihrer Küche kurz vor 2.30 Uhr am Freitag gemeinsam mit ihrem Bruder entdeckt hatte. Sie wurde in der Nähe der Küche tot aufgefunden. Der 51-jährige Bruder war bei Eintreffen der Feuerwehr draußen; er wurde mit einer leichten Rauchgasvergiftung vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, wie die Polizei mitteilte.

Explosion auf Campingplatz

Zwei Verletzte gab es zudem bei einem Brand am Freitagmorgen auf einem Campingplatz in Haltern am Rande des Ruhrgebietes. Bei dem Feuer in einem Campingwagen erlitt ein 51-jähriger Mann aus Duisburg so schwere Verletzungen, dass er in eine Spezialklinik gebracht werden musste. Sein Wohnwagen ging nach einem lauten Knall in Flammen auf, wurde samt Holzanbauten vom Feuer zerstört. Der Mann erlitt schwere Brandwunden. Ein Nachbar zog sich eine Rauchvergiftung zu. Ob eine Gasverpuffung die Ursache für den Brand war, ist noch nicht geklärt.

Weitere drei Opfer, eine Mutter und ihre zwei Söhne, starben offenbar an einer Kohlenmonoxidvergiftung in Frankfurt am Main. Freunde der Familie aus Eritrea im Stadtteil Bergen-Enkheim alarmierten die Polizei, als diese nicht zu einer Verabredung erschien und nicht erreichbar war. Die Beamten fanden an Heiligabend die 33-jährige Frau und die Jungen im Alter von zehn und 13 Jahren tot im Wohnzimmer vor. Der 43-jährige Vater überlebte; er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Die Leichen sollen am Montag obduziert werden. Erste toxikologische Untersuchungen lassen laut Polizei auf eine Kohlenmonoxidvergiftung durch die Gastherme im Haus schließen.

amz/dpa/APD/AFP



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