»Umweltkatastrophe nie dagewesenen Ausmaßes« Fischsterben könnte sich auf Ostsee ausweiten

Warum in der Oder gerade massenhaft Fische verenden, ist noch unklar. Die Belastungen breiten sich aber offenbar weiter aus: Bereits am Samstagabend könnten sie das Stettiner Haff erreichen.
Tote Fische in der Oder bei Brieskow-Finkenheerd

Tote Fische in der Oder bei Brieskow-Finkenheerd

Foto: Frank Hammerschmidt / dpa

Das Fischsterben in der Oder könnte Auswirkungen auf das Stettiner Haff haben, davon geht das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern aus. Es sei damit zu rechnen, dass die Belastungen die Odermündung nahe Stettin (Polen) bereits am Abend erreichen, abhängig von Wind- und Strömungsverhältnissen, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung. Im Verlauf des Samstags könnte auch der vorpommersche Teil des Stettiner Haffs betroffen sein.

Das Ministerium von Till Backhaus (SPD) rief daher die Anlieger vorsorglich dazu auf, auf das Fischen in und die Wasserentnahme aus dem Gewässer zu verzichten, unabhängig von der Nutzung. Die zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern bereiten demnach aktuell Gewässer- und Fischproben vor.

Die Ursache für das massenhafte Fischsterben entlang der Oder ist noch nicht klar. Bisherige Laboranalysen brachten noch keinen genauen Aufschluss über die Belastung des Wassers und die Ursachen. Da die Ursache für die Umweltkatastrophe in Polen vermutet wird, wurden in Deutschland bereits Vorwürfe laut, das Nachbarland habe nicht rechtzeitig informiert und die übliche Meldekette bei solchen Ereignissen nicht eingehalten.

DER SPIEGEL

Aktion zum Einsammeln der Kadaver startet

Die Bürgermeisterin von Schwedt, Annekathrin Hoppe (SPD), hat das Fischsterben in der Oder als »Umweltkatastrophe von noch nie dagewesenem Ausmaß« bezeichnet. Der Nationalpark Unteres Odertal habe große Befürchtungen, dass die Auswirkungen so riesig seien, dass sie sich noch über Jahre hinziehen, sagte Hoppe im rbb-Inforadio. Auch der Tourismus sowie die Weide- und Fischwirtschaft seien stark beeinträchtigt.

Am Samstag begann in Schwedt an der Oder eine Aktion zum Einsammeln der Kadaver. Die Einsatzkräfte seien mit Schutzanzügen ausgerüstet, sagte Hoppe im rbb-Inforadio. Es sei davon auszugehen, dass für den Menschen gesundheitsgefährdende Stoffe im Spiel seien.

Der Nationalpark Unteres Odertal bei Schwedt in der Uckermark wurde vor mehr als 25 Jahre gegründet und gilt als Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark. Das Gebiet an der deutsch-polnischen Grenze hat eine Länge von 50 Kilometern und erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 10.000 Hektar. Er zieht sich am westlichen Uferrand der Oder von Hohensaaten im Süden bis Staffelde im Norden. Wasservögel und andere Zugvögel nutzen das Areal als Rastgebiet.

hej/dpa
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