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Flaggentausch auf Brooklyn Bridge: Wir waren das!

Foto: Richard Drew/ AP/dpa

Brooklyn Bridge Berliner Künstler bekennen sich zum Flaggentausch

Auf der New Yorker Brooklyn Bridge wehte plötzlich Weiß statt Rot-Weiß-Blau, jemand hatte die Flaggen ausgetauscht. Die Polizei fahndete wochenlang. Jetzt haben sich zwei Künstler aus Berlin gemeldet.

New York - Für die New Yorker Polizei war es eine Blamage: In einer nächtlichen Aktion hatten Unbekannte Mitte Juli auf der berühmten Brooklyn Bridge die amerikanischen Flaggen abgehängt und durch weiße ersetzt. Nun haben sich zwei Berliner Künstler zu der Aktion bekannt.

Wie die "New York Times" berichtet , meldeten sich Mischa Leinkauf, 37, und Matthias Wermke, 35, bei einem Reporter der Zeitung. Ihre Aktion habe keinen terroristischen Hintergrund gehabt und sei nicht als antiamerikanisches Statement gedacht gewesen, sie hätten vielmehr die "Schönheit des öffentlichen Raums" feiern und an einen Deutschen erinnern wollen: Der 22. Juli ist der Todestag des deutschstämmigen Ingenieurs John Roebling, der die Brooklyn Bridge konstruiert hat. Er starb 1869, zu Beginn der Bauarbeiten, bei einem Arbeitsunfall.

"Er wanderte in die USA aus, weil er in Deutschland seine Träume nicht verwirklichen konnte", sagte Wermke demnach dem Reporter der "New York Times". "Für uns ist die Brücke ein Symbol für Freiheit und kreative Möglichkeiten."

Vorschriftsgemäß gefaltet

Die beiden Berliner Künstler sind für gewagte, und oft auch illegale, Experimente bekannt. Unter anderem waren sie im Wiener Augarten auf einen Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg geklettert und hatten dort eine Flagge gehisst, die sie aus Warnwesten genäht hatten. Fotos dieser Aktion wurden in einer Kölner Galerie ausgestellt. Auch auf der Brooklyn Bridge waren sie schon einmal: 2007 befestigten sie Ballons an den Streben.

Dass der Flaggentausch nun so viel Aufregung auslösen würde, hätten sie nicht gedacht, sagte Leinkauf: "Wir wollten wirklich nicht die Polizei bloßstellen."

In New York war die Aufregung groß. Schließlich hätte sich auch jemand Zugang zu den abgesperrten Brückenbereichen verschaffen können, der weitaus Schlimmeres im Sinn hat als einen Flaggentausch. Dutzende Ermittler wurden darauf angesetzt, die Flaggenhisser zu finden - bislang hatten sie aber nur deren Spitznamen in Erfahrung bringen können.

Die US-Polizei ging von vier oder fünf Tätern aus. Ob sie noch Komplizen hatten, wollten Leinkauf und Wermke der "New York Times" nicht verraten. Nur so viel: Die weißen Flaggen hätten sie selbst von Hand genäht, mit Stoffbahnen und Sternen in verschiedenen Weißtönen. Und die US-Flaggen hätten sie vorschriftsmäßig gefaltet. Man werde sie demnächst zurückgeben, sagte Leinkauf: "Wir tragen die Konsequenzen. Eine offene Diskussion zu haben ist Teil unserer Arbeit. Wir brauchten nur ein wenig Zeit, um uns unsere Reaktion zu überlegen."

Die beiden überlegen nun, sich einen Anwalt zu nehmen.

vet
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