Flammenhölle in Griechenland Feuer außer Kontrolle - antikes Olympia in Gefahr

Die Winde stehen ungünstig, Helfer kommen nicht durch: Die Feuerwalze vor dem antiken Olympia scheint kaum noch aufzuhalten. Die Menschen sind am Ende: Das Flammeninferno lässt nur verbrannte Erde zurück - viele haben alles verloren.

Aus Zacharo berichtet Gerd Höhler


Ziellos stochert der 73-jährige Achilleas mit seinem Krückstock in der Asche herum. Das hier war die Küche seines kleinen Hauses. In der Ecke stehen die ausgeglühten Reste eines Gasherdes. Das Dach ist eingestürzt, verkohlte Balken und rußgeschwärzte Dachpfannen liegen auf dem Boden. "Alles ist verloren", sagt der alte Mann resignierend, "das ist das Ende."

Die ausgebrannte Ruine in den Bergen über der Ortschaft Zacharo auf dem Peloponnes steht inmitten einer unwirklichen Mondlandschaft: schwarze Baumgerippe soweit der Blick reicht, ein grauer Ascheteppich bedeckt die Erde. Hier sind die Flammen zwar schon vor Stunden verloschen, weil das Feuer keine Nahrung mehr fand, aber immer noch ziehen Rauchwolken über die Hügel. Bitterer Brandgeruch liegt in der Luft.

Nach bisherigen Schätzungen haben die Feuerstürme, die seit Freitag in Griechenland wüten, etwa 3000 Menschen obdachlos gemacht. Die Regierung in Athen beeilt sich, den Geschädigten großzügige Hilfen zu versprechen: 3000 Euro Soforthilfe soll jeder Obdachlose erhalten. Jede Familie, die ihr Haus verloren hat, stehen unmittelbar 10.000 Euro Hilfe zu. "Was soll ich jetzt mit Geld?", fragt der alte Achilleas verzweifelt. "Mein Haus ist abgebrannt, meine Olivenbäume sind Asche - warum ist die Feuerwehr nicht rechtzeitig gekommen?"

Starker Wind verhindert Einsätze der Löschflugzeuge

Aber die weiß auch am dritten Tag des flammenden Infernos noch immer nicht, wo sie zuerst löschen soll. Immer noch sind viele Brände völlig außer Kontrolle, müssen weitere Dörfer evakuiert werden, die Zahl der Opfer steigt. Am Sonntag kämpften die Löschmannschaften in der Nähe von Olympia mit den Flammen, um ein Übergreifen auf den Heiligen Hain der antiken Stätten zu verhindern. Sie gehören zum Weltkulturerbe.

Alle zwei Jahre wird hier in einer feierlichen Zeremonie die Olympische Flamme entzündet. Jetzt droht der ganze Antikenbezirk mit seinen hohen Zypressen, Kiefern und Platanen eingeäschert zu werden. "Die Flammen kommen immer näher, sie werden bald Olympia erreichen", sagte der Bürgermeister des nahe gelegenen Dorfes Pelópion im Rundfunk. Die bis zum Mittag bei Olympia eingesetzten Löschflugzeuge mussten wegen des immer stärker wehenden Windes schließlich abgezogen werden. Damit schien das Schicksal Olympias besiegelt - ein Radioreporter sagte, die Lage sei außer Kontrolle. "Hier brennen alle Dörfer rund um Olympia. Schickt uns Hilfe", flehte eine verzweifelte Frau aus Pelópion.

Auch an anderen Stellen auf dem Peloponnes wüteten die Brände weiter, trotz des Einsatzes von zeitweilig bis zu 20 Löschflugzeugen, die wegen abflauender Winde erstmals seit Freitag wenigstens an einigen Orten wieder aufsteigen konnten. Verstärkung bekamen die griechischen Feuerwehren aus dem Ausland: Frankreich schickte vier Canadair-Löschflugzeuge, die ab Sonntagnachmittag Einsätze flogen, am Abend wurden aus Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Italien, Serbien, Israel, Norwegen und Island weitere Maschinen erwartet. Auch Russland und die USA boten Hilfe an.

Doch selbst mit der Unterstützung der ausländischen Flugzeuge mussten sich die Feuerwehren und die inzwischen ebenfalls eingesetzten Streitkräfte angesichts der riesigen Flammenfronten zunächst darauf konzentrieren, bedrohte Dörfer zu verteidigen und gefährdete Bewohner zu evakuieren, also Menschenleben zu retten. An eine systematische Eindämmung der immer noch rund hundert Brände ist bisher nicht zu denken.



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