Fleisch-Skandal Ermittler vermuten Dönermafia am Werk

Der Selbstmord des Hauptbeschuldigten im Gammelfleischskandal steht nach Aussagen der Polizei zweifelsfrei in Zusammenhang mit den Ermittlungen. Die Sonderkommission "Kühlhaus" ist inzwischen "einer Art Dönermafia" auf der Spur.

München - Mit den privaten und geschäftlichen Finanzen des Münchner Fleischgroßhändlers Georg B. "stand es nicht zum Besten", sagte der Leiter der Soko, Josef Wilfling. Die Firma habe praktisch vor der Pleite gestanden. Der Polizei erklärte die Ehefrau, dass ihr Mann in den vergangenen Tagen sehr unter der Medienberichterstattung über den Skandal gelitten habe. Auch anderen Familienmitgliedern habe B. mehrmals Andeutungen gemacht, dass er den Druck nicht mehr aushalte, so Wilfling. "Er sah sich nicht ganz gerecht behandelt."

In B.s Tiefkühlhallen hatten Kontrolleure bisher weit über 60 Tonnen ungenießbares Fleisch sichergestellt, sagte der Soko-Chef. "Es gab Umetikettierungen, Haltbarkeitsdaten wurden geschwärzt und überklebt." Der Betrieb habe tonnenweise Dönerspieße zum Teil kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufgekauft, teilweise jahrelang gelagert, aufgetaut, wieder eingefroren und bundesweit an fast 2.500 Kunden weiterverkauft. Weitere 50 Kunden gebe es in Österreich, den Niederlanden und anderen Nachbarländern. "Er hat minderwertige Ware für teures Geld verkauft", so Wilfling.

Die Buchführung des Betriebs sei sehr unübersichtlich, so dass Zusammenhänge zwischen Abnehmer und Lieferanten nicht direkt erkennbar seien. "Das ist ziemlich verwirrend." Es werde geraume Zeit in Anspruch nehmen, Licht in das Dunkel der "Döner-Mafia" zu bringen. Fleisch sei aufgetaut, weiter verarbeitet und wieder eingefroren worden, führte er lediglich aus. "Man darf aber nicht alle Dönerbuden jetzt unter Generalverdacht stellen." Es handele sich nur um wenige Kriminelle.

Der Soko-Chef kritisierte, dass bislang aus dem Kreis der Kunden des Großhändlers wenig verwertbare Informationen kämen. "Wir wären froh wenn sich jemand melden würde, solche Zeugen suchen wir." Der Münchner Oberstaatsanwalt Franz Gierschik erklärte, dass dagegen die 16 Mitarbeiter von B.s Firma wertvolle Aussagen gemacht hätten.

B. hat sich heute Morgen in seinem Haus erhängt. Der 74-Jährige sei zum Frühsport in den Sportraum im Keller gegangen, teilte die Polizei mit. Als er zum Frühstück noch nicht zurück gewesen sei, habe die Ehefrau nachgesehen und ihn tot am Treppenaufgang gefunden. Ein Abschiedsbrief wurde nicht entdeckt. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei ergaben keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden, dennoch wurde eine Obduktion angeordnet.

str/reuters/AP/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.