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Alte Flick-Villa: Bald kommt die Abrissbirne

Foto: DPA/ Tobias Tschepe

Abriss der Flick-Villa Der Letzte macht das Licht aus

Die Pienzenauerstraße 111 ist eine legendäre Adresse in München. Hier wohnte der Multimilliardär Friedrich Karl Flick. Demnächst soll die Villa abgerissen werden und Luxuswohnungen weichen - jetzt steigt die letzte Party.

Über die Zahl der Zimmer gibt es unterschiedliche Angaben. 115 sagen die einen, andere sprechen sogar von mehr als 150. Was sich in den Räumen abspielte, sollte möglichst nicht nach außen dringen, der Hausherr legte großen Wert auf Diskretion und Sicherheit.

So scannten zwölf bewegliche Videokameras das Gelände rund um die Villa im Münchner Herzogpark, zur Polizei gab es einen Direktnotruf. Ein Team von Leibwächtern und Wachtposten war im Dauereinsatz. An dessen Spitze: ein Spezialist der US-Eliteeinheit Green Berets. Betrat jemand die Terrasse, fuhr eine Scheibe aus kugelsicherem Glas nach oben. Und für den äußersten Notfall stand ein Atomschutzbunker zur Verfügung. Friedrich Karl Flick hatte zeit seines Lebens Angst vor Attentaten oder Entführungen.

Die palastartige Villa mit Schwimmhalle, Weinkellern und reichlich Marmor (geschätzte Gesamtkosten: 28 Millionen D-Mark), die der schillernde Multimilliardär Ende der siebziger Jahre im vornehmen Münchner Stadtteil Bogenhausen bauen ließ, ist bald Geschichte. Sie steht vor dem Abriss. Bis 2015 sollen auf dem Gelände "neue Luxuseigentumswohnungen mit modernster Technik und Ausstattung entstehen", heißt es bei der Firma M-Concept, die das Grundstück erworben hat. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Von einer "grünen Oase mit unverbaubarem Blick und direktem Zugang zum Isarufer" ist die Rede. Dem Vernehmen nach gibt es bereits erste Anfragen für den Neubau, der Preis für den Quadratmeter soll bei mehr als 10.000 Euro liegen.

Cocktailparty mit 300 Gästen

Bevor aber im kommenden Frühjahr die Abrissbirne kommt, soll an diesem Donnerstag noch einmal in der Villa des 2006 verstorbenen Unternehmers gefeiert werden. Der Makler und Flick-Freund Detlev Freiherr von Wangenheim hat nach eigenen Angaben rund 300 Gäste zu einer Cocktailparty eingeladen - darunter alte Weggefährten Flicks sowie Architekten, um das neue Bauprojekt vorzustellen. Namen will er nicht nennen: "Die Gäste sollen ihren Namen nicht schon vor der Feier in der Zeitung lesen."

Mit dem Abriss der Flick-Villa endet ein Teil der Geschichte des Mannes, dessen Name zum Synonym für die Bestechlichkeit der Politik und den größten Schmiergeldskandal Deutschlands wurde.

Flick hatte von seinem Vater Friedrich, einem Stahlunternehmer und Nazi-Profiteur, ein gigantisches Industrieimperium geerbt. Nach dessen Tod begann Flick mit dem Verkauf von Teilen seines Erbes. Allein ein Mercedes-Aktienpaket brachte ihm Mitte der siebziger Jahre rund zwei Milliarden Mark. Der Flick-Konzern beantragte damals beim Wirtschaftsministerium die Steuerbegünstigung für diesen Deal mit der Deutschen Bank. In den Bundestagsfraktionen war dieses Ansinnen umstritten, aber das Ministerium genehmigte den Antrag.

Flicks zweite Bestattung

Anfang der achtziger Jahre stieß jedoch ein Steuerfahnder auf ein Kassenbuch des Flick-Generalbuchhalters. Darin waren Zahlungen durch Flick-Manager an zahlreiche Politiker vermerkt. Es waren Spenden in zweistelliger Millionenhöhe geflossen, die am Finanzamt vorbei an CDU, CSU, FDP und SPD gegangen waren. "Flick - ein Mann kauft die Republik", schrieb der SPIEGEL im Oktober 1984  über den Mann.

Zwar kam es zu Anklagen gegen den Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch und Politiker (wie etwa den damaligen Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff) wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit. Verurteilt wurden sie dann wegen Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe dazu - es konnte aber nicht nachgewiesen werden, dass durch die Geldzahlungen politische Entscheidungen beeinflusst worden waren.

Flick selbst verkaufte 1985 seine restlichen Beteiligungen für mehr als fünf Milliarden D-Mark an die Deutsche Bank. Seinen Wohnsitz verlegte er aus steuerlichen Gründen nach Österreich. Neben einem Jagdsitz in der Steiermark verfügte er dort über ein millionenschweres Anwesen am Wörthersee.

Nur einmal versagte Flicks Sicherheitskonzept, nach seinem Tod: Ende 2008 wurden Sarg und Leichnam aus der Gruft in Österreich geraubt. Die Täter, die die Familie erpressen wollten, wurden gefasst - und Flick ein weiteres Mal in Velden beigesetzt.

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