Flirten im Frühling Der Duft der Liebe

Sonnig und frühlingshaft mild, lautet die Wettervorhersage für heute. Am Oberrhein werden Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius erreicht. Beste Voraussetzungen also für einen Besuch im Straßencafé - und einen heißen Flirt.

Von Markus Brügge


Hamburg - Jetzt ist er da: der Frühling. Jetzt trinken glückliche Menschen ihren Kaffee auf der Straße und hocken sich auf die zart ergrünten Grünflächen. Und sie flirten natürlich. Was aber ist das Geheimnis, das uns alljährlich wieder in den süßen Taumel fallen lässt?

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Frühlingsgefühle: Sonnenblinzeln und laue Lüftchen

Wenn das bleierne Grau weicht und einem Himmel Platz macht, der aussieht wie blassblaues Briefpapier, auf das man kleine Wattebäusche getupft hat, dann geht etwas mit den Menschen vor. Dann lächeln die Menschen und schließen die Augen und halten die Nase in die Frühlingssonne. Frühling! Süße, wohlbekannte Düfte - Serotonin liegt in der Luft.

Das Hormon macht fröhlicher und aufgeschlossener - beste Voraussetzungen für einen Flirt. "Wir Menschen reagieren einfach auf das Licht. Wenn die Tage wieder länger werden und die Hormonproduktion angekurbelt wird, dann schauen Männer und Frauen sich einfach häufiger um", sagt Werner Habermehl, Sexualsoziologe aus Hamburg.

Natürlich hängt der Flirtfaktor auch ganz wesentlich von der Bekleidung ab. Zwar geben Frau und Mann in Umfragen immer wieder gerne an, dass ihnen schöne Augen oder Hände viel wichtiger seien als Busen oder Po - beim Flirten geht es aber erst mal um die Basics.

"Stellen Sie sich einfach eine Straßenszenerie vor - da können Sie aus 30 Metern Entfernung wohl kaum erkennen, ob eine Frau schöne Augen hat", so Habermehl. Die Kurven dagegen sehr wohl.

Denn um die geht es zunächst einmal, behauptet der Soziologe vom Hamburger Gevis-Institut. Die erste Frage beim Flirten laute: Was macht eine Frau weiblich, was einen Mann männlich?

Ganz aus seiner Natur kann der Mensch andererseits auch wieder nicht: Dass etwa die Italiener als größere Flirter gelten als etwa die Schweden, ist zwar auf der einen Seite ein Vorurteil - auf der anderen Seite eines mit einem wahren Kern, der durch die zwei großen S erklärt wird: Sonne und Serotonin. Heißt: Wo mehr Licht, da mehr Flirt.

Die kulturellen Unterschiede sollte man aber nicht außer Acht lassen, mahnt Habermehl. Schließlich muss es seinen Grund haben, dass Italiener - bei ähnlichem Klima - mehr von l'amore verstehen sollen als die griechischen Nachbarn.

So erkläre sich auch, dass in einer von Habermehl durchgeführten Umfrage Köln als Flirt-Hauptstadt auf dem ersten Rang landete, während das - geografisch weit südlichere - München auf die Plätze verwiesen wurde. "Klar ist das auch eine Sache der Eigenheiten eines bestimmten Landstrichs", so der Forscher. Die Kölner seien eben für ihre offene und lockere Lebensart bekannt.

Abgesehen von der Biologie scheint das ohnehin das beste Mittel für ein paar Frühlingsflirts zu sein. Denn leider ist in den hiesigen Breitengraden auf dauerhaften Sonnenschein kein Verlass. Da hält man es besser wie Deutschlands bekanntester Meteorologe, Jörg Kachelmann. Der, so sagt er, kann ohnehin nicht verstehen, was für ein Aufhebens um das Zusammenspiel von Sonne und guter Laune gemacht werde.

Schließlich weiß Kachelmann als Wetterfachmann, dass das Hoch von heute schnell dem Tief von morgen weichen kann. Im Zweifel ist man mit seiner Devise also besser beraten, denn: "Bei mir hängt das Wohlbefinden nicht von Regen oder wolkenfreiem Himmel ab." Andererseits behauptet der Fernsehmeteorologe auch, nicht die richtige Adresse in Sachen Anmache zu sein: "In meinem Alter flirtet man eh nicht mehr."



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