Experte über Staubunfälle und falsche Landwirtschaft "Wir verlieren rasant an Boden"

Unser Leben hängt von einer dünnen Schicht Erde ab. Diese ist extrem gefährdet, sagt Florian Schwinn. Hier spricht er über verlorenes Wissen und den Irrglauben an Glyphosat.
Staubwolke durch Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Staubwolke durch Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Foto: Carsten Klehn/dpa

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Florian Schwinn, Jahrgang 1954, ist Autor des gerade erschienenen Buchs "Rettet den Boden!". Er jagt keine Maulwürfe mehr, seit er einen auf dem Spaten hatte, ihm den Garaus machen wollte - und dann sein samtenes Fell bemerkte. 

Nachdem das Tierchen sich wieder vergraben hatte, realisierte Schwinn, dass der Maulwurf zwar die gestutzte Halmsteppe (seinen Rasen) etwas durcheinander gebracht hatte - aber dass es eigentlich ein Segen war, ihn dazuhaben. Er zeigte ihm, dass es im Boden unter dem Gras genug Nahrung gab. Dass der Boden lebte. Was man vom Acker nebenan nicht behaupten konnte, wo vom Pflug aufgeworfene Erdschollen bläulich schimmerten und wie Stinkbomben rochen. Viel Leben war da nicht mehr drin. 

Schwinn ließ der Vergleich zwischen dem Garten und dem Acker nicht mehr los. Sein Thema wurde die Unterwelt, die ziemlich unterbelichtete Basis dessen, was weiter oben im Augenblick Konjunktur hat: Bäume, Vögel, Bienen. Er recherchierte zu wichtigen Dienstleistern wie Würmern und Springschwänzen und dazu, was die Böden im Namen der modernen Landwirtschaft alles zu ertragen haben. Der Boden unter uns ist dünn, warnt Schwinn, und wir müssen aufpassen, dass wir unserer Erde nicht die Haut abziehen.

SPIEGEL: Ihr Buch beschäftigt sich mit der Unterwelt, unserem Boden - und es klingt düster. Wir seien dabei, uns den Boden unter den Füßen wegzuziehen, schreiben Sie. Wieso?

Schwinn: Wieso weiß ich auch nicht. Weil wir blöd sind wahrscheinlich. Unsere Spezies ist offenbar kaum in der Lage, Wissen in Handlung umzusetzen. Wir wussten noch nie so viel über unsere Wirkungen auf die Umwelt wie heute - und haben noch nie so viel zerstört.

SPIEGEL: Liegt das vielleicht auch daran, dass der Boden als "Hidden half" gilt, wie der amerikanische Umweltautor David Montgomery schrieb, also die versteckte, vernachlässigte Hälfte der Natur, über die wir doch nicht soviel wissen?

Schwinn: Boden, allein das Wort klingt im Deutschen schon ziemlich verräterisch. Fußboden, Dachboden, da stellt man Dinge drauf, aber man guckt nicht drunter.

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