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06. Januar 2002, 09:40 Uhr

Florida

Schüler steuert Flugzeug in Hochhaus

Eine Cessna ist in ein Hochhaus im US-Bundesstaat Florida gestürzt. Der Pilot - ein 15-jähriger Flugschüler - habe nicht versucht, die Kollision zu vermeiden. Etwa zeitgleich stürzten zwei weitere Kleinflugzeuge in den USA ab. Trotzdem gehen die Behörden nicht von einem Anschlag aus.

Der Pilot reagierte nicht auf die Lande-Aufforderungen.
AP

Der Pilot reagierte nicht auf die Lande-Aufforderungen.

Washington - Augenzeugen berichteten gegenüber der amerikanischen Fernsehstation WFLA, die Cessna sei direkt auf das Gebäude der Bank of America in Tampa zugeflogen. Der Pilot, der ums Leben kam, habe nicht versucht vor dem Aufschlag abzudrehen. Zuerst war berichtet worden, er habe noch in letzter Minute versucht, den Aufprall zu vermeiden.

Etwa zur gleichen Zeit stürzten zwei Kleinflugzeuge in den US-Bundesstaaten Colorado und Kalifornien ab. Nach Worten des stellvertretenden Sprechers des Weißen Hauses, Scott McClellan, besteht nach ersten Erkenntnissen kein Zusammenhang zwischen diesen drei Zwischenfällen.

Der 15-Jährige aus Florida war von seiner Mutter und Großmutter zum Flugplatz gebracht worden, wo er eine Flugstunde gebucht hatte. Doch während das Flugzeug noch inspiziert wurde, stahl er sich davon, sprang in die Cessna und startete ohne Erlaubnis die Maschine. Der Kontrollturm alarmierte daraufhin die Küstenwache, die sofort einen Hubschrauber losschickten. Der Junge, der als unauffälliger Schüler ohne kriminelle Vergangenheit beschrieben wird, reagierte nach Angaben der Behörden nicht auf die Funksprüche. Er ignorierte auch die Aufforderungen zur Landung auf einem nahegelegenen Flugplatz. Auch die Luftwaffenbasis in Miami wurde informiert, zwei Militärjets vom Typ F-15 starteten sofort. Sie erreichten Tampa jedoch erst nach dem Aufprall der Cessna.

Als die militärischen Abfangjäger Tampa erreichten war das Flugzeug bereits in das Gebäude gestürzt.
AP

Als die militärischen Abfangjäger Tampa erreichten war das Flugzeug bereits in das Gebäude gestürzt.

In dem Gebäude in Tampa war ein Loch zu sehen, die Heckflosse der einmotorigen Maschine hing abgeknickt aus der Fassade. Wie die Online-Ausgabe der "Tampa Tribune" berichtet, wurden bei dem Unglück ein oder zwei Büros beschädigt. Trotz eines Lecks im Treibstoffsystem der Cessna sei kein Feuer ausgebrochen, hieß es. Der Unfall richtete daher nur relativ wenig Sachschaden an.

Die Flughäfen von Tampa und St. Petersburg stellten nach dem Zwischenfall den Flugverkehr vorübergehend ein. Die Flugsicherheitsbehörde NTSB werde die Ursache für den Unfall untersuchen.

Trotz der verdächtigen Umstände des Unglücks geht die Bundeskriminalpolizei FBI nach Angaben eines Gewährsmannes in Washington nicht von einem Terroranschlag aus. Dennoch werden Agenten den Unglücksort inspizieren.

Die Terrorpiloten, die am 11. September die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon ausgeführt hatten, hatten zum Teil in Florida Flugunterricht genommen. Der mutmaßliche Kopf der Terroristen, Mohammed Atta, hatte sich auch für kleinmotorige Flugzeuge interessiert.

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