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03. Juni 2011, 13:03 Uhr

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer

Helfer finden 150 Leichen vor Tunesien

Ein Flüchtlingsdrama im Mittelmeer hat viele Todesopfer gefordert: Vor der tunesischen Küste sind nach Angaben der Vereinten Nationen die Leichen von etwa 150 Afrikanern geborgen worden. Sie kamen aus Libyen und wollten nach Lampedusa.

Tunis - Zwei Tage nach der Havarie eines Flüchtlingsbootes vor der nordafrikanischen Küste schwindet für die vermissten Menschen die Hoffnung auf Rettung. Sie waren am Mittwoch nach einer Massenpanik an Bord ihres gekenterten Kutters in den Fluten verschwunden. Bis zu 270 Menschen gelten als vermisst. Nun teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nation (UNHCR) mit, es seien etwa 150 Leichen gefunden worden.

"Wir wissen, dass viele Frauen und Kinder unter den 150 sind", sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. Schätzungsweise seien 850 Menschen an Bord des Schiffes gewesen, 578 konnten gerettet werden. Die Überlebenden würden in Flüchtlingslager gebracht, wo sie versorgt werden sollen. Edwards sprach von einem der schlimmsten Flüchtlings-Unglücke im Mittelmeer in diesem Jahr.

Das am Mittwoch gesunkene Boot hatte die aus Afrika stammenden Flüchtlinge von Libyen zur italienischen Insel Lampedusa bringen sollen. Vor den tunesischen Kerkenna-Inseln erlitt der Kahn jedoch bei schwerer See eine Motorpanne. Tunesisches Militär hatte in einer dramatischen Rettungsaktion Hunderte Passagiere in Sicherheit gebracht.

Panik bei Rettungsaktion

Italienischen Medienberichten zufolge konnten sich die Rettungseinheiten nur in kleinen Schiffen und Schlauchbooten dem havarierten Kutter nähern, da er sich in flachem Wasser befand. Nur langsam seien zunächst Frauen und Kinder von dem sinkenden Boot in Sicherheit gebracht worden. In Panik hätten sich daher viele der Passagiere ins Wasser gestürzt.

Allein seit Beginn der politischen Unruhen in Nordafrika ertranken rund 1650 Menschen auf ihrer Flucht vor Armut und Krieg im Mittelmeer. Die Zahl übersteigt die bisherige Höchstmarke des Jahres 2008. Damals kamen bei der letzten großen Flüchtlingswelle im Laufe des Jahres offiziell 1274 Menschen in der Straße von Sizilien ums Leben.

Die Dunkelziffer liegt allerdings ungleich höher. Von Vermissten und Toten erfährt Europa in der Regel nur durch Berichte von Überlebenden oder durch den Fund von im Mittelmeer treibenden Leichen. Italienische Medien sprachen am Freitag bereits von einem neuen "annus horribilis" - einem neuen Horrorjahr.

Seit Januar wählten etwa 42.000 Immigranten die als extrem gefährlich geltende Mittelmeerroute, um Italien und damit Europa zu erreichen. Oft sind die Boote der Migranten wenig seetauglich, fast immer völlig überladen. Viele der Afrikaner können zudem nicht schwimmen.

wit/dpa/AP

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