Unglück vor Lampedusa Gauck fordert humanere Flüchtlingspolitik

Rettungskräfte beschreiben Szenen "wie in einem Horrorfilm": Nach der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa wurden 111 Leichen geborgen, insgesamt könnten mehr als 300 Menschen gestorben sein. Bundespräsident Gauck kritisiert Europas Flüchtlingspolitik als inhuman.

Bundespräsident Gauck: Flüchtlinge "nicht hineinsegeln lassen in vorhersehbaren Tod"
DPA

Bundespräsident Gauck: Flüchtlinge "nicht hineinsegeln lassen in vorhersehbaren Tod"


Rom - Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts des Flüchtlingsdramas vor Lampedusa an die Europäische Union appelliert, Flüchtlingen einen besseren Schutz angedeihen zu lassen. Leben zu schützen und Flüchtlingen Gehör zu gewähren, seien wesentliche Grundlagen der Rechts- und Werteordnung, sagte Gauck bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Berlin.

"Zuflucht Suchende sind Menschen - und die gestrige Tragödie zeigt das - besonders verletzliche Menschen. Sie bedürfen des Schutzes. Wegzuschauen und sie hineinsegeln zu lassen in einen vorhersehbaren Tod, missachtet unsere europäischen Werte", sagte der Bundespräsident laut Redemanuskript.

Nach der Katastrophe auf einem Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel werden immer mehr Tote aus dem Mittelmeer geborgen. Die Küstenwache teilte mit, bis zum Morgen hätten Rettungskräfte 111 Leichen aus dem Wasser geholt. "Aber das ist noch keine definitive Bilanz, weil Dutzende weitere Leichen im Wrack des gesunkenen Bootes sind", sagte Innenminister Angelino Alfano dem TV-Sender Canale 5.

"Es ist wie in einem Horrorfilm, da unten ist eine Masse von eingeklemmten Leichen, eine über der anderen im Laderaum", sagte Taucher Rocco Canell der Nachrichtenagentur Ansa. Andere Taucher berichteten, dass sie nahe dem Schiffswrack am Meeresgrund Dutzende weitere Tote gesehen hätten.

Von den insgesamt 450 bis 500 vorwiegend afrikanischen Flüchtlingen, überwiegend aus Somalia und Eritrea, konnten bis Donnerstagabend nur 155 gerettet werden. Deshalb befürchten die Rettungskräfte, dass bei der Tragödie mehr als 300 Menschen gestorben sein könnten. "Wir haben keine Hoffnung mehr, Überlebende zu finden", sagte ein Polizist.

Das Schiff war in der libyschen Hafenstadt Misurata gestartet und am Donnerstag vor der Küste Lampedusas gekentert. Nach Berichten von Überlebenden hatten die Flüchtlinge zuvor ein kleines Feuer an Bord entzündet, um die Küstenwache auf ihr Boot aufmerksam zu machen. Kurz vor der Küste war der Motor ausgefallen. Als das Feuer an Bord außer Kontrolle geriet, brach Panik aus, woraufhin das Schiff kenterte. Das Wrack liegt in 40 Metern Tiefe, rund 550 Meter vor der Küste.

Staatstrauer in Italien

Der mutmaßliche Kapitän, ein 35-jähriger Tunesier, wurde festgenommen. In ganz Italien wurden die Flaggen am Freitag auf Halbmast gesetzt, während in Schulen eine Schweigeminute für die Opfer abgehalten wurde.

Papst Franziskus sprach von einem "Tag der Tränen". Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano forderte die Abschaffung eines Gesetzes gegen die Begünstigung illegaler Einwanderung, nach dem auch Retter bestraft werden können.

wit/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 68 Beiträge
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robin-masters 04.10.2013
1. Was tun
mit Menschen die man nicht haben möchte. Entweder man sorgt in Ihrem Land dafür das sie dort auch bleiben (Entwicklungshilfe vielleicht mal forcieren) oder man lässt sie übers Meer kommen und verunglücken und sammelt sie dann menschenunwürdig in Auffanglagern. Alternativ kann\sollte man auch die Staaten in Nordafrika mal in die Pflicht nehmen.
gesterngingsnoch 04.10.2013
2. Das Problem
sind Schleuser, die sich eine goldene Nase verdienen, und unsere Sozialindustrie, der ohne die "Flüchtlinge" die Existenzgrundlage entzogen würde. Gegen die Schleuserbanden sollte man nicht scheuen, auch das Militär einzusetzen. Die Schleuser haben keine Skrupel, die von ihnen geköderten wehrlosen Menschen auf seeuntüchtigen Schaluppen verrecken zu lassen, also sollte auf sie Jagd gemacht werden.
tom.le 04.10.2013
3. nicht die Flüchtlinspolitik ist inhuman...
...sonder die Entwicklungshilfepolitik. Wenn zig Milliarden jedes Jahr ausgegeben werden, ohne dass die Leute eine Aussicht auf ein vernünftiges Leben haben. Stattdessen sitzen die Entwicklungshelfer in teueren Anzügen und Büros in Kabul, Daressalam oder sonstwo und schauen und fahren einmal am Tag in ihren Jeeps an irgendeinem Brunnern vorbei und lassen sich loben... - Wie wärs mit einem autonomen Staat für Flüchtlinge, in dem die EU das Rechtssystem und Schulen finanziert.....
mein Gott 04.10.2013
4. Ist ja gut.....
......Gauck, nur, wohin mit den Leuten? Setzen Sie sich lieber mal dafür ein, dass Alle Flüchtlinge unmittelbar zurück geschickt werden. Das spricht sich rum und Unfälle, wie jetzt bleiben Allen erspart. Europa ist überhaupt nicht in der Lage Millionen Afrikaner aufzunehmen und zu ernähren. Die bestehenden Probleme sind in deren Ländern zu beseitigen.
warkeinnickmehrfrei 04.10.2013
5. Die Frage die unsere Gesellschaft
dringend und nachhaltig und vor allem abseits von political correctness und Gutmenschentum ist diese: Wieviel Zuwanderung gleich auf welche Art und Weise von Menschen mit "Defiziten in westlicher Lebensführung" wie Django Asül so euphemistisch sagte, halten unsere Gesellschaften aus und wieviel können und wollen wir uns leisten ? Ein solches Feld kann nicht Berufsgutmenschen wie Frau Roth oder Herrn Gauck überlassen werden, die die Lebenswirklichkeit der Bürger in unserem Land allenfalls vom Hörensagen kennen.
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