Flüchtlingsstrom Erneutes Drama vor Lampedusa
Rom - Sie hoffen auf ein besseres Leben und nehmen immer wieder ein tragisches Ende: Flüchtlinge aus Afrika wählen den Weg übers Wasser nach Europa, setzen sich in völlig überfüllte Boote und riskieren damit ihr Leben. Am Wochenende spielten sich vor der Insel Lampedusa gleich zwei Mal entsprechende Tragödien ab.
Am Sonntag wurden zehn Leichen im Wasser entdeckt, von einem Boot fehlte zunächst jede Spur. Später entdeckten Piloten der italienischen Marine das Boot von einem Flugzeug aus, etwa hundert Kilometer vor Lampedusa. Zuvor hatten Fischer zehn Flüchtlinge aus dem Wasser gezogen. Die Männer, die offenbar aus Eritrea stammen, hätten sich an eine Holzplanke geklammert, berichteten die Hafenbehörden auf Sizilien. Zehn Menschen wurden noch vermisst.
Ein ähnliches Drama hatte sich bereits am Vortag abgespielt, fast am selben Schauplatz: Am Samstagmorgen war ein Boot mit rund 120 hauptsächlich aus Afrika stammenden Flüchtlingen an Bord gesunken, ebenfalls vor Lampedusa. Zehn Leichen wurden geborgen, 40 Menschen wurden am Sonntag noch vermisst. Das zehn Meter lange Boot sei gekentert, nachdem sich die Insassen auf eine Seite gedrängt hätten, berichtete Admiral Ferdinando Lavaggi. Ein Schiff der italienischen Marine entdeckte es demnach knapp 20 Kilometer südlich von Lampedusa und schickte Rettungsboote aus.
70 Menschen wurden nach Angaben der Behörden am Samstag gerettet. Zur Suche nach den Vermissten waren auch Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Die Flüchtlinge kamen den Behörden zufolge vor allem aus Marokko und Ägypten, aber auch aus anderen nordafrikanischen Ländern sowie aus dem Libanon und dem Irak. Zwölf Verletzte seien in ein Krankenhaus gebracht worden, die anderen Überlebenden in ein Auffanglager auf Lampedusa. Unter den Überlebenden befanden sich den Angaben zufolge auch fünf mutmaßliche Mitglieder der Schleuserbande.
"Nicht nur eine Tragödie sondern auch ein Verbrechen"
Italiens Innenminister Giuliano Amato zeigte sich entsetzt über das Flüchtlingsdrama und forderte eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, um kriminellen Schleuserbanden ein für alle Mal den Garaus zu machen. "Was heute passiert ist, ist nicht nur eine Tragödie, sondern auch ein Verbrechen", sagte Amato. Diese Verbrechen müssten bestraft werden, damit sie sich nicht wiederholten. Flüchtlinge zahlen Schleuserbanden häufig tausende Euro für die oft gefährliche Reise nach Europa.
Lampedusa ist ebenso wie die spanischen Kanaren ein beliebtes Ziel von Flüchtlingen, die sich in Nordafrika sammeln und nach Europa überzusetzen versuchen. In diesem Jahr erreichten fast 10.000 Menschen die italienische Insel. Auf den Kanarischen Inseln kamen am Sonntag drei weitere Boote mit Flüchtlingen an. Die Auffanglager auf der Inselgruppe waren völlig überfüllt. Die Regierung ließ Flüchtlinge auf das Festland bringen, um dort mit den Heimatstaaten über ihre Rückführung zu verhandeln.
Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero kündigte an, dass sein Innenminister am Montag nach Senegal reisen werde. Außerdem werde der spanische Vize-Ministerpräsident vermutlich während der kommenden Tage nach Finnland fahren, um dort die derzeitige EU-Präsidentschaft um Hilfe zu bitten.
Mehr als 1.000 Flüchtlinge kamen Berichten zufolge seit Ende vergangenen Jahres auf der gefährlichen Überfahrt ums Leben. Zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms aus Afrika sind seit dieser Woche Luft- und Seepatrouillen der EU um die Kanarischen Inseln herum und entlang der westafrikanischen Küste im Einsatz.
fok/AP/Reuters/