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Verkehrschaos: Schneetief blockiert Europas Flugverkehr

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Flugausfälle Tumulte im Frankfurter Flughafen-Terminal

Winter in Europa - und das Luftfahrt-Drehkreuz Frankfurt am Main muss kapitulieren. Tausende genervte Passagiere kommen nicht weg, an einem Schalter kam es zu heftigen Handgreiflichkeiten. Die Polizei schlichtete. Auf den deutschen Straßen beruhigt sich die Lage.

Hamburg/Frankfurt am Main - Chaos am Frankfurter Flughafen, Rutschpartien auf den Straßen und Ansturm auf die Wintersport-Gebiete: Die Schneemassen von Tief "Petra" machen ganz Deutschland weiß - und sorgen weiter für Verkehrsprobleme aber auch für ein wintersportliches Traum-Wochenende.

Zum Samstag hörte der Schneefall weitgehend auf, vielerorts schien die Sonne. Die Nachwirkungen halten aber vor allem Flughafenmitarbeiter in Frankfurt am Main in Atem: Dort warteten am Samstag Tausende Passagiere auf ihren Abflug. "Der Flugplan ist komplett aus den Fugen geraten", sagte ein Flughafensprecher.

An der Gepäckabfertigung des Lufthansa-Schalters gingen am Samstagvormittag wütende Passagiere aufeinander los. Die Polizei musste die aufgebrachten Fluggäste zur Ruhe bringen. Auslöser der hitzigen Debatten waren erhebliche Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung. In einer schier endlosen Warteschlange, die sich quer durch das Terminal 1 zog, standen Hunderte Passagiere.

Nach Angaben eines Flughafensprechers wurden an Deutschlands größtem Flughafen bis zum Mittag erneut 172 Flüge gestrichen. Viele Passagiere warten schon seit Freitag auf ihren Ab- oder Weiterflug, 560 von 1400 Flügen am größten deutschen Airport sind annulliert worden. Etwa 2500 am Freitag gestrandete Fluggäste wurden zusätzlich in den ohnehin schon vollen Terminals erwartet. Von Entspannung könne am Flughafen keine Rede sein, auch wenn inzwischen Start- und Landebahnen geräumt seien.

Auch in München saßen viele Passagiere am Flughafen fest. 200 Passagiere haben die Nacht zum Samstag auf Feldbetten verbracht. Rund 300 Flüge waren annulliert worden. Zu Tumulten wie in Frankfurt kam es nicht. Nachdem am Freitag rund ein Drittel der Flüge gestrichen worden war, normalisierte sich der Betrieb am Samstag weitgehend. 40 von rund 1000 Flügen mussten ausfallen.

Die Ursache für die Probleme sind vor allem gesperrte Flughäfen im Ausland, denn auch andere europäische Länder haben mit dem Schnee zu kämpfen. Weil etwa der Flughafen in Pisa und Flughäfen in Kroatien geschlossen seien, könne sich die Lage in Frankfurt noch verschärfen, sagte der Flughafensprecher.

Schwere Behinderungen an britischen Flughäfen

Besonders Großbritannien leidet unter Neuschneemassen: Die Flughäfen London-Gatwick und London-Heathrow bleiben mindestens bis zum Samstagnachmittag geschlossen. In der britischen Hauptstadt London gilt eine Unwetterwarnung, auch der City-Airport ist gesperrt. An den Flughäfen in Exeter, Aberdeen, Bristol und Cardiff kam es ebenfalls zu Behinderungen. In der englischen Fußballliga fallen die Samstagsspiele in Liverpool und mindestens zwei weiteren Städten aus. In Italien kamen bei winterlichen Straßenverhältnissen drei Menschen ums Leben.

Die Verkehrslage in Deutschland beruhigte sich dagegen etwas. Die Straßen waren am Samstag weitgehend wieder frei, am morgen waren die Autobahnen 1 und 3 wegen Lastwagenunfällen gesperrt worden. Sie sind inzwischen aber wieder frei. Nachdem sich Unfälle mit umgekippten Lkw gehäuft hatten, forderten Verkehrsexperten härtere Strafen für Spediteure, die ihre Fahrer ohne Winterreifen losschickten. Auch eine Schneekettenpflicht für Lastwagen wurde diskutiert.

Am Freitag waren wegen des heftigen Schneefalls noch Straßen und Autobahnen quer durch die Republik dicht, Autofahrer standen auf Hunderten Kilometern im Stau, immer wieder gab es Unfälle. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte vor einer Kostenexplosion und Verhältnissen wie in nordeuropäischen Ländern auf deutschen Straßen.

Bleibe der Winter hartnäckig, werden sich Autofahrer vielerorts nicht mehr auf geräumte Straßen verlassen können, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg. Dann müssten Autofahrerer "wie in skandinavischen Ländern" auf geschlossener Schneedecke fahren üben.

cht/dpa/dapd
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