Flugzeugabsturz im Dschungel Keine Hoffnung auf Überlebende

Fast senkrecht ist offenbar die seit gestern vermisste Boeing im brasilianischen Regenwald aufgeschlagen. Die Behörden gaben die Hoffnung schließlich auf, dass einer der 155 Menschen an Bord überlebt haben könnte. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Rio de Janeiro - Das Flugzeugwrack wurde heute morgen 200 Kilometer südöstlich der Ortschaft Peixoto Azevedo im Norden von Mato Grosso gefunden. Die Teile seien in einem kleinen Radius verstreut, sagte Jose Carlos Pereira, Präsident der Luftfahrtbehörde Infraero. Das spreche dafür, dass das Flugzeug mit der Nase voran auf den Boden gekracht sei. Am späten Samstagabend versicherte er schließlich: Es gebe definitiv keine Hoffnung mehr, Überlebende zu finden.

Der Absturz ist damit das schwerste Luftfahrtunglück in der Geschichte Brasiliens. Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva verhängte eine dreitägige Staatstrauer. Präsidentensprecher André Singer erklärte, der Staatschef habe "mit großem Schmerz" die Nachricht von dem Unglück erhalten, der "das Leben der 149 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder auf ihrem Weg von Manaus nach Brasilia gekostet" habe.

Die fast fabrikneue Boeing 737-800 der Fluggesellschaft Gol war gestern gegen 17 Uhr Ortszeit im Luftraum über dem nordbrasilianischen Urwald-Bundesland Pará von den Radarschirmen verschwunden. Das Flugzeug war von Manaus im Bundesland Amazonas in die Hauptstadt Brasilia unterwegs. Dort hätte es um 18.10 Uhr landen sollen.

Dutzende verzweifelte Angehörige der Passagiere belagern die Schalter von Gol in den Flughäfen von Manaus und Brasilia. Unter den Passagieren war nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch ein Deutscher.

Die Suche nach der verschollenen Maschine gestaltete sich zunächst schwierig. Die Flugzeuge und Hubschrauber der brasilianischen Luftwaffe mussten ihre Bemühungen wegen der einbrechenden Dunkelheit gestern unterbrechen. Heute morgen wurden sie, unterstützt von Rettungskräften am Boden, schließlich fündig.

Unklarheit herrscht noch über die Absturzursache. Laut GOL wurde die Unglücksmaschine erst am 12. September von Boeing ausgeliefert und hatte nur rund 200 Flugstunden hinter sich. Laut einer auch von Verteidigungsminister Waldir Pires vertretenen These stieß die Maschine mit einem Legacy-Jet zusammen, der ungefähr zur selben Zeit auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Serra do Cachimbo notlanden musste. Ein Sprecher der Zivilen Luftfahrtbehörde wies dies hingegen als reine "Hypothese" zurück, für die es keine Beweise gebe.

Gol ist eine Billigflug-Airline, die 2001 gegründet wurde. Nach dem Bankrott von Varig wurde sie aber mit einem Marktanteil von 28 Prozent zur zweitgrößten Fluggesellschaft Brasiliens. Die Gol-Aktien werden in Brasilien und auch in den USA gehandelt. Das Unternehmen fliegt mit 55 Boeing 737 rund 50 Ziele in Brasilien sowie die südamerikanischen Städte Buenos Aires, Córdoba, Rosario (Argentinien), Montevideo (Uruguay), Santa Cruz de la Sierra (Bolivien), Asunción (Paraguay) und Santiago de Chile an. Es war der erste Vorfall dieser Art mit einer Maschine von Gol.

cvo/itz/dpa/ap/afp/rtr

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.