Flugzeugunglück Dutzende Tote bei Bruchlandung in Peru

Bei der Bruchlandung einer Boeing 737-200 der Fluggesellschaft Tans sind in Peru mindestens 43 Menschen ums Leben gekommen. 56 Personen sollen die Notlandung im Amazonaswald überlebt haben.


Flugzeugabsturz im Amazonasgebiet: Pilot versuchte Notlandung
AFP

Flugzeugabsturz im Amazonasgebiet: Pilot versuchte Notlandung

Lima - Die Absturzstelle lag in einer waldigen Gegend in der Nähe der Stadt Pucallpa. Die in der Hauptstadt Lima gestartete Maschine stürzte kurz vor der Landung auf dem Flughafen von Pucallpa während eines schweren Unwetters ab. Ursprünglich sollte das Flugzeug von Pucallpa aus in die weiter nördlich gelegene Stadt Iquitos fliegen.

Eine Flughafensprecherin sagte der Nachrichtenagentur AP, der Pilot habe erklärt, er könne wegen heftiger Windböen und starken Regens nicht landen. Berichten zufolge ging die Maschine dann in der Nähe einer Autobahn nieder. Der Präsident der betroffenen Region Ucayali, Edwin Vasquez, sagte dem Sender Radioprogramas, der Pilot habe versucht, in einem Sumpfgebiet zu landen, um den Aufprall abzumildern. Das Flugzeug sei in zwei Teile zerbrochen.

Laut Passagierliste waren insgesamt 16 Ausländer an Bord: 11 US-Bürger, 2 Italienerinnen, 1 Spanierin, 1 Kolumbianer und 1 Australier. Tans-Sprecher Jorge Belaván erklärte, dadurch dass dem Pilot eine Notlandung gelungen sei, gebe es zumindest Überlebende. Sechs Mitglieder einer US-Familie hätten überlebt, ebenso die beiden Italienerinnen. Unklar war zunächst, ob die übrigen acht Ausländer überlebten oder starben. Behördenangaben zufolge wurden 37 bis 40 Tote geborgen. Der Fund weiterer Leichen sei nicht auszuschließen, hieß es.

"Das ist ein Wunder"

Einige Passagiere überlebten unverletzt. Einer von ihnen, Tomás Ruiz, sagte der Presse, zehn Minuten vor der Landung sei das Flugzeug wegen des Unwetters in Turbulenzen geraten und habe die Landepiste verfehlt. Ein an der Hand verletzter Überlebender, William Zea, sagte, insgesamt gebe es mehr als 20 Verletzte. Die meisten von ihnen hätten Verbrennungen und Brüche erlitten.

"Das ist ein Wunder! Meine ganze Familie ist wohlauf", sagte die US-Bürgerin Vilma Vivas dem peruanischen Hörfunksender RPP. Nur ihre zwölfjährige Töchter habe Quetschungen erlitten. In der Unglücksmaschine waren ihr Mann, ihre drei Töchter, ihr Schwager und dessen Frau.

Die wegen der Dunkelheit vorübergehend ausgesetzten Bergungsarbeiten sollten am Morgen fortgesetzt werden. Ein RPP-Reporter sagte, es gebe Leichen in einem Umkreis von 150 Metern um das Flugzeugwrack. Darunter seien Kinder und Babys, offenbar auch eine Stewardess.

Laut dem Aviation Safety Network war es der sechste Unfall der Fluggesellschaft Tans seit 1992 mit insgesamt 65 Toten. Zuletzt stürzte im Januar 2003 in der nordperuanischen Provinz Chachapoyas eine Tans-Maschine vom Typ Fokker 28 ab. Dabei kamen 46 Menschen ums Leben.

Erst vor einer Woche war in Venezuela eine Maschine der kolumbianischen Fluggesellschaft West Caribbean Airways vom Typ MD-82 auf dem Flug von Panama zur Antilleninsel Martinique abgestürzt. Sämtliche 160 Menschen an Bord kamen ums Leben. Der Toten wird am Mittwoch in Fort-de-France auf der zu Frankreich gehörenden Insel mit einer großen Trauerfeier gedacht, zu der Tausende Menschen erwartet werden. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac nimmt an der Zeremonie teil. Am 14. August stürzte bei Athen eine Boeing 737 der zyprischen Fluggesellschaft Helios ab. Alle 121 Insassen starben.



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