Flugzeugunglück Horrorminuten im Frachtraum
Kinshasa - Noch immer ist ungewiss, wie sich das Unglück ereignen konnte und wie viele Menschen ihm zum Opfer fielen. Am Donnerstagabend hatte sich auf einem Inlandsflug von der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa zur Stadt Lubumbashi die riesige Hecktür einer ukrainischen Iljuschin IL-76 geöffnet. Dutzende von Insassen wurden aus dem Flugzeug gerissen, stürzten durch schwarze Nacht in den Tod. Reportern gelang es jetzt, mit Überlebenden in Kinshasa zu sprechen. Sie berichten von Momenten voller Panik und Todesangst im Innenraum der betagten Maschine.
Die meisten der Passagiere, die im Auftrag der kongolesischen Armee zu einer Militärbasis transportiert werden sollten, stürzten hilflos in den Dschungel. Doch offenbar gelang es Dutzenden, sich vor dem freien Fall in die Tiefe zu retten: "Wir klammerten uns an alles, was wir greifen konnten - Seile, Netze, Frachtpakete", berichtete ein Überlebender vor Journalisten. Als sich die Tür öffnete, seien urplötzlich zahlreiche Menschen aus dem Raum gerissen worden: "Viele von ihnen waren Frauen und Kinder. Sie schrien panisch, es wackelte und von überall her fielen Pakete auf uns."
Zwei Polizisten erklärten, ein Lastwagen im Bauch der Maschine habe einigen Passagieren das Leben gerettet. "Zwei Stunden lang klammerten sich die Menschen panisch daran fest, um nicht in die Tiefe zu rutschen." Eine schwangere Frau habe zwar überlebt, jedoch durch den Schock ihr Baby verloren.
Für die Passagiere dauerte der verzweifelte Kampf in der Maschine eine halbe Ewigkeit. Endlich gelang es den Piloten, die nach dem Unglück sofort umgedreht waren, die Frachtmaschine wieder sicher auf dem Flugplatz von Kinshasa zu landen.
Hinweise auf grobe Fahrlässigkeit
Wie viele Menschen dem Unglück zum Opfer fielen, ist nach wie vor ungewiss. Möglicherweise gab es bis zu 250 Tote. Ein Überlebender berichtete von etwa 350 Passagieren beim Start der Maschine, nur rund hundert von ihnen hätten sich an Bord halten können, als sich die Heckklappe geöffnet habe. Das ukrainische Verteidigungsministerium, das das Flugzeug zur Verfügung gestellt hatte, dementierte jedoch alle Berichte über Todesopfer. Unterdessen gab es Hinweise darauf, dass grobe Fahrlässigkeit für das Unglück vom Donnerstag verantwortlich sein könnte. Die Heckklappe der russischen Transportmaschine sei schon beim Start nicht richtig geschlossen gewesen, berichtete der Polizist Kabmba Kashala, der den Flug überlebte, am Wochenende. Versuche, sie im Flug zu schließen, seien gescheitert. Als sich die Klappe geöffnet habe, habe er sich noch an einer Leiter festklammern können.
Ukraine weist alle Berichte über Tote zurück
Offizielle Todeszahlen gab es zunächst nicht, weil die Passagierliste nach Angaben eines Regierungsbeamten unvollständig war. Zwei Flughafensprecher sprachen von 129 Toten. Nach Angaben von Regierungssprecher Kikaya Bin Karubi fanden Suchtrupps zunächst sieben Leichen. Militärhubschrauber würden die schwer zugängliche Absturzregion überfliegen und nach weiteren Opfern suchen.
Das ukrainische Verteidigungsministerium wies alle Angaben zu den Opfern und Berichte über den Unglückshergang zurück. "Weder die Menschen noch die Ladung oder das Flugzeug wurden verletzt oder beschädigt", erklärte Sprecher Konstantin Chywrenko. Schon 40 Sekunden nach dem Start habe der Pilot den Druckabfall bemerkt und sei umgekehrt. Laut den bisherigen Angaben hatte die Maschine jedoch erst nach dem Unglück rund 45 Minuten nach dem Abheben umgedreht.