Flugzeugunglück vor Sizilien "Habe versucht, alle zu retten"

Nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs vor Sizilien hat die italienische Küstenwacht die Suche nach drei Insassen fortgesetzt. Der verletzte Pilot entschuldigte sich für die missglückte Notwasserung. Er habe Angst gehabt, nach dem Ausfall beider Motoren gegen einen Berg zu fliegen.


Trümmer der abgestürzten Maschine: "Es tut mir so Leid"
REUTERS

Trümmer der abgestürzten Maschine: "Es tut mir so Leid"

Palermo - Bei den Vermissten handele sich um zwei Passagiere und einen Bordmechaniker, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Bei einer Notlandung der tunesischen Fluglinie Tuninter im Meer waren mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine war auf dem Weg vom süditalienischen Bari zur Ferieninsel Djerba. Die Leichen, die bereits identifiziert sind, sollen am späten Nachmittag mit einer Militärmaschine zurück nach Bari geflogen werden.

Zu den 23 Überlebenden zählt auch der Pilot, der verletzt im Krankenhaus liegt. Wie der Generaldirektor der Tuninter mitteilte, habe der Flugzeugführer 25 Jahre Berufserfahrung und über 8000 Flugstunden absolviert.

"Es tut mir so Leid, ich habe versucht, alle zu retten", sagte der Flugkapitän. Als er die Kontrolle über die Maschine verlor, habe er befürchtet, gegen die hinter Palermo liegende Bergkette zu prallen und sich deshalb für die Notwasserung entschieden. "Unter uns habe ich auch Boote und Schiffe gesehen, die uns hätten helfen können, deshalb bin ich im Wasser gelandet."

Experten rätseln derweil, warum die Maschine vom Typ ATR 72 abstürzte. Der Ausfall der Motoren könne durch Probleme mit dem Benzintank verursacht worden sein, hieß es. Aber auch menschliches Versagen oder ein elektrischer Schaden an den Motoren seien als Unglücksursache nicht auszuschließen, berichtete die Zeitung "Il Messaggero". Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Motoren kurz hintereinander ausfallen, liege jedoch laut Luftaufsichtsbehörde Enav bei "eins zu einer Milliarde".

Nach einem Bericht der Enav habe das Flugzeug wegen Triebwerksproblemen am Samstag notlanden müssen. Die Piloten hätten den Tower am Flughafen in Rom kontaktiert und erklärt, sie müssten in Palermo landen. Eine gute Viertelstunde später habe die Besatzung jedoch mitgeteilt, dass sie im Wasser niedergehe. Die Absturzstelle im Mittelmeer liegt rund 15 Kilometer vor der sizilianischen Küste.



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