Fluthilfe Rotes Kreuz rechnet mit langem Engagement

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist riesig, die Hilfsmaßnahmen laufen auf vollen Touren, viele Flutopfer haben jedoch immer noch keine Hilfslieferungen erhalten - so bilanziert das Rote Kreuz seine bisherigen Rettungsarbeiten in Südostasien.
Von Florian Peil

Berlin - Zehntausende Mitarbeiter des Roten Kreuzes sind mittlerweile in Thailand, Sri Lanka und Indonesien im Einsatz, wo sie die medizinische und soziale Betreuung der 1,6 Millionen Obdachlosen und Evakuierten organisieren. Die Helfer versorgen die Flutopfer mit Lebensmitteln und Kleidung, organisieren ihre Unterbringung in Notunterkünften und sorgen für deren psychologische Betreuung. Weitere Hilfslieferungen mit dringend benötigten Gütern wie Leichensäcken, Hygienesets, Bettwäsche, Medikamenten und Verbandsmaterial sind derzeit in Vorbereitung.

"Wir gehen davon aus, dass wir noch ein bis zwei Jahre in der Region tätig sein werden", sagte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, am Dienstag. Im Vordergrund der Hilfsmaßnahmen stünden dabei die Versorgung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Kleidung sowie der Aufbau von Gesundheitsstationen.

Parallel zur Nothilfe bereite das DRK bereits den Wiederaufbau der Region vor, sagte der Leiter des Hilfsstabes für die Region, Joachim Müller. Bereits in der kommenden Woche würden erste Erkundungsteams aufbrechen. Zunächst sollten vor allem Krankenhäuser wieder aufgebaut werden. Um die Hilfe auf Dauer sicher zu stellen, sollten dabei Einheimische ausgebildet werden.

Das internationale Rote Kreuz hat 53 Millionen Euro für Hilfsleistungen bereitgestellt. Beim DRK sind nach Angaben von Rudolf Seiters bislang 22,8 Millionen Euro an Spenden eingegangen. Tausende von Freiwilligen hätten sich für Rettungsarbeiten beim DRK gemeldet, darunter auch Ärzte und Krankenschwestern. Einige hätten sogar angeboten, auf eigene Kosten in das Katastrophengebiet zu reisen. "Es ist großherzig, wie die Menschen hierzulande Anteil nehmen am Schicksal der Region."

Die ZDF-Moderatorin und DRK-Botschafterin Maybrit Illner rief dazu auf, statt Sachspenden besser Geld zu geben. Sachspenden könne das DRK den Flutopfern nicht zukommen lassen. Diese Sicht teilt auch der Leiter des DRK-Hilfsstabes, Joachim Müller: " Nur hoch spezialisierte Hilfsgüter und Medikamente werden vom Roten Kreuz eingesetzt." Viele Güter und Medikamente würden wegen der kürzeren Transportwege und der niedrigeren Einkaufspreise vor allem in Pakistan und Indien besorgt. Zudem könnten nur entsprechend ausgebildete Hilfskräfte eingesetzt werden.

In Phuket haben zwei medizinische Teams des Deutschen Roten Kreuzes mit je vier Ärzten und vier Rettungsassistenten in den vergangenen Tagen mehr als 1000 deutsche Urlauber medizinisch und psychologisch betreut. Die Mediziner haben ihre Arbeit in Thailand am Montag abgeschlossen und sind bereits nach Deutschland zurückgekehrt.

In Sri Lanka will das DRK eine mobile Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser aufbauen. Der Apparat kann täglich 120.000 Liter Trinkwasser produzieren und damit 150.000 Menschen in der Region Ampara versorgen. Zusätzlich können mit dieser Anlage Flächen desinfiziert und damit die Ausbreitung von Seuchen eingedämmt werden.

Eine solche Wasseraufbereitungsanlage soll auch in Aceh aufgebaut werden. Dazu kommt noch eine Gesundheitsstation, in der bis zu 20.000 Menschen versorgt werden können.

Die Rettungsarbeiten des Roten Kreuzes werden jedoch durch zahlreiche Hindernisse erschwert. "Wir haben noch immer kein vollständiges Bild der Lage", sagte Joachim Müller. Viele Straßen seien durch die Flut zerstört worden, andernorts existierten sie gar nicht. Auch die Flughäfen seien überlastet, weshalb Flugzeuge mit Hilfsgütern stundenlang in Wartschleifen kreisen müssten und oft gar nicht landen könnten: "Die lokalen Mechanismen sind total überfordert."

In einigen Gegenden werde die Arbeit zusätzlich dadurch erschwert, dass die Flutwelle Tausende von Landminen weggespült habe, von denen man nicht wisse, wo sie jetzt seien. "Das macht die Rettungsarbeiten sehr gefährlich", sagte Müller.

Trotz dieser Hindernisse zog DRK-Präsident Rudolf Seiters ein positives Fazit der bisherigen Hilfsmaßnahmen: ""Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe und der immensen Schwierigkeiten vor Ort laufen die Rettungsarbeiten gut - es gibt aber noch viel zu verbessern."

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