Flutkatastrophe 100.000 Menschen vom Wasser eingeschlossen

Die Lage in den Hochwassergebieten wird immer dramatischer. Weil das Wasser in New Orleans weiter steigt, wollen die Behörden jetzt alle Notunterkünfte der Stadt räumen. Auch die etwa 20.000 Menschen, die sich ins Superdome-Stadion gerettet haben, sollen evakuiert werden. Wohin, weiß niemand.


Wegen eines Deichbruchs sind in New Orleans 100.000 Menschen von der Flut eingeschlossen
DPA

Wegen eines Deichbruchs sind in New Orleans 100.000 Menschen von der Flut eingeschlossen

New Orleans - Weil zwei Dämme zum Pontchartrain-See und die zentrale Wasserleitung gebrochen seien, wolle sie die ganze Stadt evakuieren lassen, teilte die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, mit. Blanco sagte, es sei geplant, die Zehntausende in Schutzunterkünften wie dem Football-Stadion Superdome festsitzenden Menschen in Sicherheit zu bringen. Sie rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und zu beten. "Die Situation ist unhaltbar, es ist herzzerreißend", sagte sie.

Blanco bezeichnete die Hilfsaktion für die insgesamt rund 100.000 eingeschlossenen Einwohner als logistischen Alptraum. Es werde immer schwerer, die Menschen mit Trinkwasser und Nahrung zu versorgen.

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Auch Bürgermeister Ray Nagin rief die Menschen, die sich noch in New Orleans befinden, auf, sich außerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen. Das werde angesichts des weiter steigenden Wassers aber sehr schwierig. Das gelte auch für die Menschen im Football-Stadion Superdome. Dessen Räumung stellt die bereits überlasteten Behörden vor enorme Schwierigkeiten. Für sie habe er bislang noch keine Lösung. Möglicherweise könnten sie erst in einer Woche in Sicherheit gebracht werden, sagte Nagin.

Zu den Personen im Stadion gehören auch zahlreiche alte Menschen und Kinder. Auch die Patienten eines Krankenhauses sind zum Teil in das bislang sichere Gebäude gebracht worden. Wohin die Tausenden von Menschen gebracht werden sollen, wissen die Behörden noch nicht. Zurzeit suche man noch nach Plätzen, an die man die Evakuierten bringen könne, sagte Blanco.

Der Nachrichtensender CNN meldete unter Berufung auf einen Polizeibeamten, dass die Behörden besorgt seien, dass sich die Situation im Inneren des Stadions verschlechtere. Es breite sich Unruhe aus, berichtete der Polizist. Die Klimaanlage in der geschlossenen Halle ist bereits ausgefallen, wegen des Hochwasser funktionieren die Sanitäranlagen nicht mehr. In den Straßen von New Orleans kam es unterdessen mehrfach zu Plünderungen und Schusswechseln zwischen Polizei und Plünderern.

Die Stadt im Bundesstaat Louisiana wurde zu 80 Prozent überflutet. Bürgermeister Ray Nagin sagte, an einigen Stellen in der tief gelegenen Stadt stehe das Wasser sieben Meter tief. "Allmählich läuft die Schüssel voll", sagte Nagin, die Stadt werde bald zu 100 Prozent vollständig unter Wasser stehen. Die Zahl der Toten werde bedeutend sein.

Grund für die Überschwemmung ist ein rund 91 Meter langer Dammbruch, den Spezialeinheiten der Armee bislang nicht reparieren konnten. Die Behörden entwarfen Pläne zum Abwurf von riesigen Sandsäcken, um damit Löcher in Dämmen zu stopfen.

Auch das wichtigste Krankenhaus der Stadt, das Charity Hospital, ist nicht länger funktionsfähig und wurde evakuiert, ebenso wie das Universitätsklinikum der Stadt, in dem sich noch rund 1000 Personen aufhielten.

Nach Angaben der lokalen Medien in Louisiana steht der Bundesstaat erstmals in seiner Geschichte vor einem massiven internen Flüchtlingsproblem. Rund eine Million Menschen sei obdachlos geworden. Es werde mehr als zwei Monate dauern, bis die Einwohner nach New Orleans zurückkehren könnten.



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