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14. März 2005, 18:06 Uhr

Flutkatastrophe

227 Todesopfer aus Deutschland identifiziert

Zweieinhalb Monate nach der Flutkatastrophe in Asien ist die Identität von über 200 deutschen Todesopfern zweifelsfrei geklärt. Das hat das Auswärtige Amt in Berlin mitgeteilt. Doch noch immer werden Hunderte Deutsche vermisst.

Berlin - Die Zahl der deutschen Urlauber, die noch immer als verschollen gelten, bezifferte Außenamtssprecher Walter Lindner heute auf 428. Der Tsunami hatte am 26. Dezember vergangenen Jahres weite Abschnitte der Küsten Asiens verwüstet und rund 300.000 Menschen in den Tod gerissen.

Unterdessen sind 60 Männer und Frauen der Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamtes im thailändischen Phuket noch dabei, die Leichen der deutschen Touristen zu untersuchen. "Es ist die bisher größte Herausforderung für unsere Mitarbeiter", sagte Werner Reuss, Leiter der Aufbauorganisation IDKO Südostasien. Von Wiesbaden aus unterstützt Reuss mit weiteren 100 Mitarbeitern die Arbeiten vor Ort.

Um "alle realistischen Chancen zur Identifizierung zu nutzen", werde die Arbeit "noch mehrere Monate beanspruchen", sagte Reuss. Lediglich die medizinische Untersuchung der Opfer solle "in ungefähr sechs bis acht Wochen abgeschlossen sein".

Dass die Untersuchung der Leichen so lange dauert, liegt laut Reuss an den vorgeschriebenen internationalen Standards für eine zweifelsfreie Identifizierung. Von den Opfern müssen Fingerabdrücke gesichert, DNA-Material entnommen sowie ein Zahnstatus erstellt werden. Die DNA-Proben aus Thailand werden nach China übermittelt und dort zentral analysiert, die Untersuchung der DNA-Proben aus Sri Lanka erfolgt in Österreich.

Ansonsten konzentrieren sich die Experten auf weitere individuelle Merkmale wie Augenfarbe, Form der Ohrläppchen, Narben oder Tätowierungen. Diese Informationen werden in einer internationalen Datei erfasst, um sie mit den Daten aus den Herkunftsländern vermisster Personen abgleichen zu können.

Ungeduldigen Angehörigen raten die BKA-Experten dringend davon ab, auf eigene Faust mit den thailändischen Behörden in Kontakt zu treten, um womöglich durch materielle oder sonstige Zuwendungen den Gang der Dinge zu beschleunigen. Bereits der Versuch der Bestechung von thailändischen Amtsträgern könne "mit der Todesstrafe sanktioniert werden".

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