Flutkatastrophe China evakuiert 1,3 Millionen Menschen

Die südlichen Provinzen Chinas kommen nicht zur Ruhe: Noch immer steigt die Opferzahl des Erdbebens vom 12. Mai, da erlebt die Region schon die nächste Naturkatastrophe. Ungewöhnlich heftige Regenfälle und Stürme verursachen Fluten, in denen bisher 55 Menschen ertranken.


Peking - Hochwasser nach heftigen Regenfällen hat in Südchina mindestens 55 Menschen das Leben gekostet, neun werden derzeit vermisst. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag, rund 1,27 Millionen Menschen in neun Provinzen hätten ihre Häuser verlassen müssen. Betroffen war auch Sichuan, das noch immer mit den Folgen des verheerenden Erdbebens im vergangenen Monat zu kämpfen hat.

In Sichuan, Guizhou und Yunnan waren in den letzten drei Wochen Regengüsse niedergegangen, deren Volumen 30 bis 70 Prozent über der normalen Niederschlagsmenge lag. Der durchnässte Boden nimmt den Niederschlag nicht mehr auf, die Flüsse können ihn nicht mehr schnell genug abführen. Das allein reichte, zahlreiche Flüsse über die Ufer treten zu lassen. Am Sonntagmorgen meldete Xinhua, dass für die nächsten Tage entlang der größeren Flüsse mit heftigen Überflutungen zu rechnen sei.

Denn das chinesische Wetteramt geht davon aus, dass einsetzend von Sonntag an mit außergewöhnlich starken Niederschlägen, Stürmen und Gewittern zu rechnen sei, die sich bis zu zehn Tage über der geschundenen Region halten sollen. Das staatliche Amt für Wasserwirtschaft warnte, dass etwa die Pegel des Flusses Xijang schon vor dem Einsetzen der Stürme bei annähernd 4,90 Meter über normal gelegen hätten. Die Behörden hatten am Wochenende mit der Evakuierung ganzer Landstriche begonnen.

Längst funktioniert auch weder die Produktion, noch die Versorgung mit Lebensmitteln mehr. In mehreren Gebieten fiel die Stromversorgung aus. Die Versorgungsengpässe lassen die Preise für Lebensmittel in allen neun betroffenen Provinzen steigen.

Die neue Naturkatastrophe trifft ein Gebiet, das sich von der letzten noch lange nicht erholt hat. Nach neuen offiziellen Zahlen starben durch die Beben am 12. Mai und danach bisher 69.170 Menschen, 17.428 werden noch vermisst. 374.159 Menschen wurden bei den Beben oder durch ihre Nachwirkungen verletzt.

Die Erdbebenregion in der Provinz Sichuan gilt nach wie vor als Katastrophengebiet. Ein besonderes Risiko stellen die Dämme in der Region dar, von denen etliche durch die Beben beschädigt wurden. Seit Wochen wurde befürchtet, dass die einsetzende Regenzeit das Risiko von katastrophalen, Überschwemmungen verursachenden Dammbrüchen erhöhen könnte. Dass die nun mit solcher Heftigkeit einsetzt, erhöht das Risiko weiter.

pat/AP



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