Flutkatastrophe Dresden versinkt im Wasser

Während Passau noch auf die Jahrhundertflut wartet, spitzt sich die Lage in Sachsen dramatisch zu. Zwei Menschen starben, sieben werden noch vermisst. Große Teile Dresdens gleichen einer Seenlandschaft. Auch in Österreich und Tschechien ist keine Entwarnung in Sicht. In Prag müssen zigtausend Menschen ihre Wohnungen verlassen.



Dresden/Passau/Prag/Wien - Wegen der extremen Regenfälle stieg die Elbe in Sachsen in der Nacht nach Angaben des Landesamtes für Umwelt und Geologie schneller als erwartet. In Dresden seien 6,51 Meter registriert worden. Ursprünglich war ein Wasserstand bis 5,95 Metern vorausgesagt worden. In der Landeshauptstadt und im Landkreis Torgau-Oschatz begannen die ersten Evakuierungen.

Die Wasser- und Stromversorgung kam in Teilen Sachsens zum Erliegen. Auch das Telefonnetz war betroffen. Zudem waren am frühen Dienstagmorgen in mehreren Orten im Weißeritzkreis noch rund 15 Menschen von den Wassermassen in ihren Häusern eingeschlossen. Am Montag waren dort ein Damm gebrochen und eine Talsperre übergelaufen.

Sachsen bittet andere Bundesländer um Hilfe

In dem Dresdner Stadtteil Friedrichstadt, wo in der Nacht die Weißeritz über die Ufer getreten war, stand das Wasser in den Straßen bis zu 75 Zentimeter hoch. Die Evakuierung habe begonnen, hieß es. Die Hauptverkehrsadern in der Innenstadt glichen einer Seenlandschaft und waren teilweise völlig unpassierbar.

Sachsen will nun Bereitschaftspolizei aus anderen Bundesländern anfordern. Benötigt würden unter anderem Taucher und Boote, sagte ein Sprecher im Lagezentrum des Innenministeriums am Dienstagmorgen.

Zu den bisherigen Krisengebieten kamen nach ergiebigen Regenfällen in der Nacht Teile der Kreisstadt Aue im Erzgebirge sowie die Region Pirna-Heidenau im Kreis Sächsische Schweiz hinzu. Die Talsperre Eibenstock lief über. Damit spitzte sich auch die Situation im Bereich der Zwickauer Mulde zu. Zudem stand nach ununterbrochenem Regen die Stadt Flöha mit ihren 12.250 Einwohnern in der Nacht komplett unter Wasser.

Im niederbayrischen Passau überschritt der Pegelstand der Donau in der Nacht die Zehn-Meter-Grenze. Das Rekordhochwasser wurde nach einer Prognose des Wasserwirtschaftsamtes in Passau jedoch erst sechs Stunden später als zunächst angenommen erwartet. Statt der bisher befürchtet 10,90 Meter soll der Pegelstand um 10 Uhr am Vormittag 10,70 Meter erreichen.

Ein Sprecher begründete die Reduzierung mit den sinkenden Pegelständen in Salzburg, die sich positiv auf Passau auswirkten. Gleiches gelte für die hohen Wasserstände schon vor Passau. Währenddessen verschlechterte sich die Lage im niederbayrischen Regen und in Cham in der Oberpfalz. Rettungskräfte der Bundeswehr wurden von Passau dorthin abgezogen.

Prag: Schlimmstes Hochwasser seit 1954

In der von einer Jahrhundertflut bedrohten tschechischen Hauptstadt Prag haben die Behörden die Evakuierung von schätzungsweise 50.000 Menschen angeordnet. Prags Oberbürgermeister Igor Nemec bezeichnete den Aufruf zur Evakuierung als eine "reine Vorsichtsmaßnahme". Den Vorhersagen zufolge erwartet Prag an diesem Dienstag die schlimmste Überschwemmung seit 1954. Nemec teilte auf einer Pressekonferenz am Montagabend mit, dass bis zum Dienstagnachmittag mit der Überschwemmung eines Teils der mittelalterlichen Altstadt und anderer Viertel durch die Hochwasser führende Moldau gerechnet werde. Wegen starker Niederschläge im Süden Tschechiens hätten Staudämme ihre Tore öffnen müssen, so dass die Wassermassen sich jetzt Prag näherten.

Nemec forderte die Bewohner mehrerer tiefer gelegener Stadtviertel auf, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben. Von der Überschwemmungsgefahr betroffen seien die Viertel Karlin, Mala Strana, Smichov, Holesovice und Teile von Liben. Der Bürgermeister kündigte an, dass Notunterkünfte etwa in Schulen bereitgestellt würden. Nach der Ankündigung gab es keine Anzeichen von Panik. Viele Bewohner der betroffenen Gebieten schienen sich mit dem Verlassen ihrer Häuser noch Zeit zu lassen. Die Anordnung zur Evakuierung war überraschend gekommen. Noch am Montag hatten die Behörden damit gerechnet, dass die Moldau nur an wenigen Stellen über die Ufer treten würde.

Äußerst ernst war die Lage auch in Süd- und Nordböhmen. In der Grenzregion zu Sachsen steige die Elbe vermutlich auf mehr als acht Meter, sagte ein Behördensprecher in der Nacht. In Tschechien starben bislang mindestens sieben Menschen in den Fluten. Heftige Niederschläge seit der vergangenen Woche hatten die Flüsse in Tschechien anschwellen lassen. In den Touristen-Orten Budweis und Cesky Krumlov und weiteren Orten mussten Tausende Menschen in Sicherheit gebracht werden. Für Dienstag wurde mit weiteren starken Regenfällen gerechnet.

Nahe Linz: 48 Menschen aus ihren Autos gerettet

Auch in Österreich steigt der Wasserpegel der Donau. Im Mühlviertel in Oberösterreich drohte ein Damm zu brechen und ein größeres Gebiet zu überfluten. In Oberösterreich musste die Westautobahn (A1) zwischen Linz und Haid gesperrt werden, ebenso die Mühlkreisautobahn (A7) zwischen Linz und Franzosenhausweg, wie die Nachrichtenagentur APA berichtet. Zahlreiche Autofahrer hätten in Panik auf der Autobahn gewendet und seien so zu Geisterfahrern geworden, berichtete das österreichische Fernsehen. Dazu warteten stecken gebliebene Autofahrer auf den Dächern ihrer Fahrzeuge auf Hilfe. In der Nähe von Linz wurden auf der Autobahn 48 Menschen aus ihren Autos gerettet, die auf der überschwemmten Fahrbahn festsaßen.

In der oberösterreichischen Stadt Steyr sei der Wasserstand dagegen leicht zurückgegangen. Er liege derzeit etwas unter sechs Meter. Normal beträgt dort der Wasserstand 1,50 Meter. Die Altstadt Ybbs in Niederösterreich dagegen wurde überflutet, die Dämme konnten das steigende Wasser nicht mehr halten, berichtete der ORF.

Salzburg entging am Montagabend nur um Haaresbreite einer Flutkatastrophe. Davor waren jedoch bereits tausend Gebäude ganz oder teilweise überflutet. Der Pegelstand der Salzach ging dann aber nach der Rekordhöhe von 8,25 Meter wieder deutlich auf unter 8 Meter zurück, berichteten die Behörden. Bei einem Wasserstand von 8,30 Metern wären weite Teile der weltberühmten historischen Altstadt überflutet worden, hatte zuvor die Einsatzleitung berichtet. Die Brücken über den Fluss, die am Vormittag gesperrt worden waren, wurden für Fußgänger wieder freigegeben. Durch die Flutwelle sind in Österreich am Montag drei Menschen ums Leben gekommen.

Südosteuropa: Wetterkatastrophe forderte bereits 74 Menschenleben

In Südosteuropa kamen infolge der Hochwasserkatastrophe bislang 74 Menschen ums Leben. Am schwersten betroffen war die russische Schwarzmeerküste, wo schon 58 Tote geborgen wurden. In Russland hievten Kräne auf der Suche nach weiteren Opfern zerstörte Autos und Geröll aus dem Schwarzen Meer. Straßen und Brücken wurden davongeschwemmt, Häuser zerstört. Inmitten der Verwüstung saßen Tausende Urlauber in der Ferienregion Schirokaja Balka an der Schwarzmeerküste fest, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

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