Flutkatastrophe in Pakistan Rotes Kreuz berichtet von ersten Cholera-Fällen

Mehr als drei Millionen Menschen sind von der Flutkatastrophe in Pakistan betroffen, die Lage verschlimmert sich stündlich. Das Deutsche Rote Kreuz meldet erste Cholera-Fälle und befürchtet eine Hungersnot. Die Opfer fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen - ihre Wut wächst.


Nowshera - Die Lage in Pakistans Katastrophengebiet spitzt sich dramatisch zu. Verschmutztes Trinkwasser und fehlende Nahrungsmittel haben zu einem Ausbruch der Cholera geführt. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind in den überfluteten Gebieten im Norden schon etliche Fälle der Seuche registriert worden. Außerdem leiden viele Menschen an Krankheiten wie lebensgefährlichem Durchfall, sagte der Leiter der DRK-Büros in Islamabad, Dirk Kamm, am Mittwoch im RBB-Inforadio.

Seit über einer Woche breitet sich das Hochwasser in Pakistan aus. Im Juli sei 25 bis 30 Prozent mehr Regen gefallen als sonst in dieser Jahreszeit, sagte der Leiter des pakistanischen Wetterdienstes, Muhammad Hanif.

Etwa 1500 Menschen starben bisher durch die schwerste Flutkatastrophe in der Region seit 80 Jahren. Der Nordwesten des Landes mit der Provinz Khyber Pakhtunkhwa ist am heftigsten von den Überflutungen betroffen. Nach Unicef-Schätzungen leiden mehr als 3,2 Millionen Menschen unter den Unwetterfolgen, darunter auch 1,4 Millionen Kinder. Die Wassermassen zerstörten Hunderte Häuser.

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Pakistan: Die Wassermassen bringen das Elend
Die Überflutung in den nördlichen Provinzen gehe aber nun zurück, sagte DRK-Sprecher Kamm. Das bedeute gleichzeitig, dass auf den Süden des Landes größere Schwierigkeiten zukämen.

Die Wassermassen fließen nun in dem 3200 Kilometer langen Fluss Indus zusammen und breiten sich dadurch auf die bevölkerungsreichsten Provinzen Sindh, Punjab und Balutschistan aus. Dort werden die schlimmsten Fluten seit 33 Jahren erwartet. Damit sind alle Gebiete Pakistans von dem Hochwasser betroffen. "Das bedeutet, dass die Anstrengungen, die wir zu leisten haben, wesentlich umfangreicher werden", sagte Kamm.

Der Uno-Hilfskoordinator für Pakistan, Martin Mogwanja, befürchtet eine Katastrophe: "Das ist ein ernstes humanitäres Desaster", sagte er. Der Informationsminister von Khyber Pakhtunkhwa, Mian Iftikhar Hussain, bemängelte vor allem fehlende Medikamente und Nahrungsmittel. "Wir befürchten, dass Menschen an Hunger sterben werden, wenn nicht rechtzeitig Hilfe kommt."

Helfer befürchten Hungersnot

Nach den Warnungen sind die Gebiete entlang des Flusses evakuiert worden. Nach Angaben von Saleh Farooqi, dem Chef der regionalen Katastrophenhilfe, könnten die Fluten dort bis zu eine Million Einwohner treffen. Die pakistanische Armee gab an, 20.000 Menschen mit Booten und Helikoptern gerettet zu haben. Die pakistanischen Behörden versuchen derweil, mit 47 Armeehubschraubern und 450 Booten Tausenden von Menschen zu helfen. Die USA haben angekündigt, sechs Transporthubschrauber zu schicken.

Das DRK hofft, schnell medizinische Hilfe leisten zu können. Laut Angaben der Vereinten Nationen (Uno) werden die Lebensmittel vor allem im Nordwesten Pakistans knapp. Helfer versuchten, die betroffenen Provinzen zu erreichen. Die überschwemmten Gebiete im Swat-Tal seien aber durch eingestürzte Brücken und zerstörte Straßen von der Lebensmittelversorgung weitestgehend abgeschnitten, sagte Amjad Jamal, Sprecher des World Food Programs (WFP). Die Menschen hätten ihre Lebensmittelvorräte längst aufgebraucht. Märkte und Geschäfte seien geschlossen oder zerstört. "Die Menschen brauchen definitiv dringend Lebensmittel", sagte Jamal. Das WFP schätzt, dass in den nächsten sechs Monaten rund 1,8 Millionen Menschen auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen sein werden.

Opfer demonstrieren gegen die Regierung

Unterdessen wächst der Ärger unter den Flutopfern. Hunderte aufgebrachte Pakistaner demonstrierten am Mittwoch in der Stadt Nowshera gegen die langsame Hilfe der Regierung. In Sprechchören forderten sie eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln und dringend benötigten Medikamenten.

Die aufgewühlte Menge blockierte eine Straße und warf Steine auf vorbeifahrende Autos. "Wir sitzen hier mit leeren Händen und haben weder Geld noch etwas zu essen", sagte Flutopfer Jalal Khan. "Unsere Kinder sterben in den Krankenhäusern, weil keine Medikamente da sind, nicht mal Impfstoff gegen die Cholera." Die Stadt liegt in einer der am stärksten von der Flut betroffenen Gegenden.

Der Ärger der Opfer richtet sich auch gegen Präsident Asif Ali Zardari, da er trotz der schlimmen Zustände im Land seine Staatsbesuche in Frankreich und England nicht abbrach. "Was ist er nur für ein Mensch? Er hat kein Herz für sein eigenes Volk", sagte Abdullah Jaan, einer der Demonstranten.

Papst Benedikt XVI. hat den Opfern sein Mitgefühl ausgesprochen. Seine Gedanken seien bei den Menschen, die von den schweren Unwettern in Pakistan und Afghanistan sowie den Waldbränden in Russland betroffen seien, "die den Verlust von Menschenleben, Verletzte und Schäden verursacht haben", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Ende seiner Generalaudienz am Mittwoch in Rom.

Die internationale Hilfsbereitschaft für die Opfer der Überschwemmung nahm zu: Die USA und die Uno stellten jeweils zehn Millionen Dollar Nothilfe zur Verfügung, Großbritannien sagte acht Millionen Dollar zu. Auch Australien beteiligte sich mit 4,4 Millionen Dollar. China versprach finanzielle Hilfe in Höhe von 1,5 Millionen Dollar.

hip/han/dpa/AFP/Reuters



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Monsieur Rainer 04.08.2010
1. Das wäre eine gute Gelegenheit !
Hier könnten alle Truppen, die ohnehin schon in der Nähe sind, endlich das tun, wozu sie nach Asien gezogen sind: Humanitäre Hilfe leisten. Sofort einverstanden! Doch wo sind die deutschen Gutmensche? Wo sind die amerikanischen Soldaten mit ihren Stützpunkten in aller Welt? Hier könnte das Militär endlich etwas sinnvolles tun als dem Phantom des Terrorismus nachzujagen.
irgendwer_bln 04.08.2010
2. Zurecht
Zitat von sysopMehr als drei Millionen Menschen sind von der Flutkatastrophe in Pakistan betroffen, die Lage verschlimmert sich stündlich. Das Deutsche Rote Kreuz meldet erste Cholera-Fälle und befürchtet eine Hungersnot. Die Opfer fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen - ihre Wut wächst. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,710091,00.html
Komische Prioritäten haben die da unten. Im Land breitet sich eine Seuche aus, Menschen sterben, dem Volk droht eine Hungerkatastrophe... und der Chefkoch empfängt Auslandsbesucher. Mit ein bisschen Glück trifft es auch die Terroristenführer, welche sich im der Gegend aufhalten. Den Pakistanies kann man nur viel Glück wünschen. By the way: Die internationalen Hilfen liesen trotz aller Spekulationen um eine Zusammenarbeit mit diversen Terrorzellen nicht lange auf sich warten. Und in Afrika sterben täglich tausende ungesehen...
Hubert Rudnick, 04.08.2010
3. Landesverteidigung
Zitat von Monsieur RainerHier könnten alle Truppen, die ohnehin schon in der Nähe sind, endlich das tun, wozu sie nach Asien gezogen sind: Humanitäre Hilfe leisten. Sofort einverstanden! Doch wo sind die deutschen Gutmensche? Wo sind die amerikanischen Soldaten mit ihren Stützpunkten in aller Welt? Hier könnte das Militär endlich etwas sinnvolles tun als dem Phantom des Terrorismus nachzujagen.
-------------------------------------------------------- Alle Soldaten sollten für die Landesverteidigung bereitstehen und bei solchen Wetterkapriolen kann man im wahrsten Sinne des Wortes das eigener Land mal verteidigen. Sie haben Recht, in diesem gesamten Gebiet sind sehr viele eigene und fremde Truppen unterwegs, wenn sie mal eine Kampfpause einlegen würden und den Menschen zur Hilfe eilen würden, dann würden sich viele dieser Krieger bestimmt wohler fühlen und sie könnten zeigen, dass sie nicht nur Menschenleben vernichten wollen. Aber das sind nur meine Wünsche und Träume, an soetwas denken die Militärs wohl eher nicht, sind viel lieber auf der Jagd nach allem was sie als die Feinde halten. Terroristen sind oftmals diejenigen, die die Menschen gegeneinander wegen ihre eigenen Interssen aufhetzen, sie haben nichts mit den Völkern gemein.
Ahab, 04.08.2010
4. "Gutmensch" ?
Zitat von Monsieur RainerHier könnten alle Truppen, die ohnehin schon in der Nähe sind, endlich das tun, wozu sie nach Asien gezogen sind: Humanitäre Hilfe leisten. Sofort einverstanden! Doch wo sind die deutschen Gutmensche? Wo sind die amerikanischen Soldaten mit ihren Stützpunkten in aller Welt? Hier könnte das Militär endlich etwas sinnvolles tun als dem Phantom des Terrorismus nachzujagen.
Sind das nicht eigentlich auch typische Fragen eines "Gutmenschen"? Nix für ungut, mir geht nur das überbordende Anti-"Gutmenschen"-Geblubber auf den Keks. Wer soll das denn eigentlich sein? Das scheint ja so'ne Art jüdische Weltverschwörung der Moderne zu sein.
blob123y 04.08.2010
5. Wundert mich eigentlich nicht das die Bevoelkerung
unruhig wird, keine Pakistanische Regierung hat sich jemals ums Volk gekuemmert, das ist denen zu weit unten. Allerdings fragt man sich jetzt schon irgendwie wo die Islamschreier sind die sonst alles besser wissen, na ja gegen Regen hilft halt kein Fanatismus. Nichts desto trotz wo sind die Islamisten und deren Finanziers aus den Golfstaaten ? wenns wirklich mal Aerger gibt wie jetzt ? Taliban finanzieren kann ein jeder, aber helfen ? ne, das sollen die anderen machen, wissen wir schon, am Ende muessen wieder die boesen, unglaeubigen Westler einspringen wenns die Pakistani, Araber usw. nicht richten koenen.
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