Flutkatastrophe Uno rechnet mit mehr als 165.000 Toten

Zehn Meter hoch war die Welle, die über das thailändische Khao Lak hereinbrach und alles zerstörte, was im Weg stand. Das haben Wissenschaftler jetzt rekonstruiert. In den Krisengebieten steigt die Zahl der Opfer immer weiter an. Die Uno geht davon aus, das weit mehr als 165.000 Menschen ums Leben kamen.

Phuket - Das indonesische Gesundheitsministerium erklärte heute, allein auf Sumatra seien mehr als 94.000 Menschen ums Leben gekommen. Auch in den anderen Krisenregionen werden immer mehr Opfer geborgen. Das sind 14.000 mehr als zunächst bekannt. Die Vereinten Nationen befürchten, dass bei der Katastrophe rund um den Indischen Ozean möglicherweise insgesamt deutlich mehr als 165.000 Menschen getötet wurden. Trotz aller Anstrengungen der Helfer sind noch immer Zehntausende unversorgt: Es fehlen Hubschrauber, um Hilfsgüter in abgelegene Gebiete zu bringen.

Es werde noch deutlich mehr Zeit vergehen, bis die internationale Hilfe tatsächlich alle der rund eine Million Notleidenden in Indonesien erreiche, sagte Uno-Nothilfekoordinator Jan Egeland. Schwierigkeiten gibt es auch mit der Koordinierung von Hilfslieferungen: In Südindien stapeln sich stellenweise Kleiderspende und Essen, das inzwischen verdorben ist, entlang von Straßen, berichtet die Zeitung "Hindustan Times" heute. Freiwilligen-Organisationen im ganzen Land hätten in Eile gebrauchte Kleidung und gekochtes Essen in Dörfer gebracht. Doch das sei nicht das, was jetzt gebraucht werde. Benötigt würden mehr mobile Toiletten, Reis, Vitamin-Präparate, Matratzen und Decken.

Auch in Indonesien fehlen Fahrzeuge. "Der Transport hängt zum großen Teil vom Militär und der Unterstützung durch andere Länder ab", sagte Sozialminister Alwi Shihab. Viele Betroffene an der Westküste der Katastrophenprovinz Aceh können weiter nur aus der Luft unterstützt werden. US-Helikopter vom Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" fliegen seit dem Wochenende Einsätze. Helfer befürchten unterdessen ein weiteres Ansteigen der Opferzahlen. Dort habe möglicherweise wenige als die Hälfte der rund 50.000 Einwohner überlebt.

In der besonders schwer getroffenen Stadt Galle in Sri Lanka werden die ersten 200 US-Soldaten zur Katastrophenhilfe erwartet. Eine Sprecherin des US-Militärs auf Hawaii sagte gestern, eine genaue Ankunftszeit stehe noch nicht fest. Gemessen an der Einwohnerzahl von 20 Millionen ist Sri Lanka das am schwersten von der Naturkatastrophe betroffene Land. Nach jüngsten Regierungsangaben wurden 29.473 Menschen bei den verheerenden Flutwellen getötet, 5040 Menschen werden noch vermisst.

Wie verheerend die Welle war, die das thailändische Urlaubergebiet Khao Lak traf, haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden: "Dieser Tsunami war sehr, sehr groß", sagte Hideo Matsutomi, der Leiter eines japanischen Forschungsteams der Akita-Universität, das vor Ort Daten für ihre Forschungsarbeit sammelt.

Die Welle sei mit einer Geschwindigkeit von sechs bis acht Metern pro Sekunde oder 24 bis 30 Kilometern pro Stunde in Khao Lak angekommen. Auf der Insel Phuket habe die Welle eine Höhe von 6,5 Metern und eine Geschwindigkeit von 10 bis 15 Kilometern erreicht. Die Wissenschaftler hatten die Spuren der Flutwelle an Betongebäuden untersucht, die nicht weggespült wurden. "Tsunami-Wasser ist schmutzig, deshalb hinterlässt es Markierungen", sagte Matsutomi.

Die Forscher haben in den vergangenen Jahren die Folgen von neun Tsunamis untersucht, davon je drei in Japan und in Indonesien. Auch die Flutwelle auf Papua-Neuguinea 1998, bei der rund 2000 Menschen umkamen, erforschten sie. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse zum Schutz vor künftigen Tsunamis genutzt werden können.

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