Polizeibericht nach der Flutkatastrophe Verwesung, Plünderungen, schlechte medizinische Versorgung

Die Infrastruktur ist zerstört, die medizinische Versorgung ist »erschreckend«, und es wird geplündert: Interne Schreiben der Polizei zeigen, wie schlimm die Lage in den Flutgebieten ist.
Zerstörte Brücke im Ahrtal

Zerstörte Brücke im Ahrtal

Foto: Klaus W. Schmidt / imago images/Bonnfilm

Zwei Wochen nach der schweren Flutkatastrophe zählt die Polizei in Rheinland-Pfalz noch immer mehr als 700 Verletzte. 132 Menschen starben in den Fluten. Die Infrastruktur im Ahrtal ist völlig zusammengebrochen, mehr als 60 Brücken wurden zerstört. Das teilt die Gewerkschaft der Polizei in einer Mail an Kolleginnen und Kollegen mit, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Strom- und Wasserversorgung entlang der Ahr sei in kleinen Gemeinden zerstört. Straßen und Häuser seien ebenfalls größtenteils so sehr beeinträchtigt, dass sie einzustürzen drohen. Von den Campingplätzen entlang des Ufers der Ahr sei keiner mehr vorhanden.

Mehr als 1200 Platzverweise

Aus dem Lagebericht der Bundespolizei geht hervor, dass bis Sonntag 44 Straftaten in Rheinland-Pfalz verübt worden sind, davon 30 mit Eigentumsbezug. Aufgrund der fortschreitenden Verwesung von Leichen und Kadavern, austretenden Abwässern, Heizöl und Spritzmitteln steigt die Infektionsgefahr für die Bevölkerung sowie für Helferinnen und Helfer. In Nordrhein-Westfalen gab es Hinweise darauf, dass Hilfsgüter gestohlen und geplündert worden sind, wie aus dem Lagebericht für das ebenfalls von der Flutkatastrophe betroffene Bundesland hervorgeht. Die Polizei sprach mehr als 1200 Platzverweise aus, es gab zwölf Strafanzeigen und 18 freiheitsentziehende Maßnahmen wegen Plünderungen oder Diebstahls.

Amtsärzte kritisierten zudem erhebliche Mängel in der medizinischen Grundversorgung. Die Situation sei »nach wie vor erschreckend«, in den betroffenen Regionen herrsche Seuchengefahr, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Gesundheit der Bevölkerung in den Katastrophengebieten sei »massiv bedroht, weil die Infrastruktur nicht funktioniert«. Unter anderem seien in einigen Orten Krankenhäuser und Praxen zerstört worden. Teichert, die bis 2012 das Gesundheitsamt im von der Flut betroffenen Landkreis Ahrweiler leitete, erklärte, dass viele Menschen ohne dringend benötigte Medikamente auskommen müssten. Das sei besonders für Menschen mit Krankheiten wie Diabetes oder Herzleiden ein großes Problem, hieß es in dem Zeitungsbericht. Nun sei es wichtig, mobile Ärzteeinheiten zu organisieren und in die Orte zu bringen.

Im Ahrtal soll am Samstag eine Behelfsbrücke des Technischen Hilfswerks (THW) in Betrieb genommen werden. Nach Asphaltarbeiten an beiden Seiten für die Zufahrten könne die Brücke wohl ab Anfang nächster Woche befahrbar sein, sagte ein THW-Sprecher. Die zweispurige Brücke wird nach Angaben des THW auch für den Schwerverkehr geeignet sein. Sie ist seit vergangenem Wochenende im Bau und nach Angaben des Sprechers die größte Brücke, die das THW bislang in Deutschland gebaut hat.

Nach Angaben des Sprechers sind derzeit fünf weitere Brücken des THW im Ahrtal geplant: Drei Fußgängerbrücken mit einer Länge von je 40 Metern und zwei weitere Fahrbrücken von je 50 Metern.

kha/amp/dpa
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