Flutwelle in Thailand Das Wunder von Rai Lay

Diese Bilder gingen um die Welt: Eine Familie in panischer Flucht vor einer monströsen Welle, eine verzweifelte Mutter, die helfen will. Was aus ihnen wurde, war tagelang ungewiss. Jetzt meldete sich die Mutter - wie durch ein Wunder haben alle überlebt.

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Hamburg - Eine gigantische Welle rollt auf Rai Lay Beach zu. Am Strand sind Kinder zu sehen, eine blonde Frau rennt in Richtung Meer. Die anderen fliehen Richtung Land. In diesem Moment drückt der Fotograf den Auslöser.

Die Welle, die über den Strand im thailändischen Krabi hereinbricht, ist der Tsunami, der kurz zuvor in Indonesien Zigtausende Menschen das Leben kostet, der an den Stränden des Indischen Ozeans insgesamt mehr als 130.000 Menschen in den Tod reißt. Der ganze Regionen verwüstet und Städte auslöscht.

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Flutwelle: Das Wunder von Rai Lay Beach
Tagelang herrschte über das Schicksal der Urlauber Ungewissheit. Der Gedanken, dass sie die Monsterwelle überlebt haben könnten, erschien beinahe absurd. Doch nun hat sich die Frau, die auf dem Foto in Richtung Meer läuft, gemeldet. Nicht nur sie, sondern auch die gesamte Familie hat die Naturkatastrophe überlebt.

In der schwedischen Zeitung "Expressen" versicherte die Frau, dass alle Menschen, die auf den Fotos zu sehen sind, wohlauf seien. Karin Svärd, 37, sagte, ihre drei Söhne Anton, 14, Filip, 11, und Viktor, 10, seien am Leben.

Die Familie ist inzwischen wieder in ihrer Heimat. Die Polizistin sagte, schon vor dem Anrollen der Wasserfront habe es Anzeichen für etwas Ungewöhnliches gegeben. "Das Meer ist so schnell zurückgewichen, dass die Fische am Strand liegen blieben. Die Kinder schnappten sich die Fische, sie waren ganz aufgeregt, als wären es Trophäen." Sie habe zunächst geglaubt, die Flut lasse das Wasser zurückweichen. "Ich habe nichts begriffen - bis ich zum Horizont sah."

Der britischen Zeitung "Times" sagte sie: "Ich habe gebrüllt: 'Rennt, rennt!'" Aber weil das Meer so laut gewesen sei und die Kinder rund 200 Meter entfernt waren, hätten sie nichts gehört. "Sie wussten nicht, dass die Welle auf sie zukam. Darum bin ich ihnen entgegengerannt. Ich hörte, wie Leute mir nachbrüllten: 'Weg vom Strand'. Aber ich habe sie ignoriert. Ich musste versuchen, meine Kinder zu retten. Nichts hätte mich aufhalten können."

Die Panik sei in ihr hochgestiegen, sagte die Frau. Aber sie habe sich so auf die Kinder konzentriert, dass sie einfach weitergerannt sei. Auch ihr Mann sei auf das Meer zugelaufen, als er die Gefahr bemerkte. "Ich habe ihn angebrüllt: 'Schaff die Kinder hier weg!'" Als die Mutter 150 Meter vom Wasser entfernt war, hätten die Jungen die Welle erkannt. "Ich konnte die Angst in ihren Gesichtern sehen", sagte Svärd. "Ich sah diese weiße Wand auf mich zukommen, und sie wurde immer schneller."

Bevor die Frau ihre Kinder erreichte, war das Meer schon da. "Ich kann mich an den weißen Schaum erinnern. Die Welle riss die Kinder um, dann waren sie verschwunden. Ein oder zwei Sekunden später traf mich die Welle", sagte sie dem "Expressen".

Die Frau konnte sich retten, weil sie gegen eine Palme gespült wurde. "Ich dachte, meine Familie sei tot. Mein Leben schien vorbei. Meine Kinder waren verschwunden." Etwa zehn Minuten später entdeckte sie die Vermissten auf einem höhergelegenen Grundstück. "Sie klammerten sich alle aneinander fest. Sie waren sehr verstört."

Ihre Gefühle seien schwer zu beschreiben, sagte die Frau: "Wir waren dem Tode so nahe. Wir wissen jetzt, wie wertvoll das Leben ist."



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