Fotostrecke

Fotografie: Hirsch, Hund, Teddy

Foto: Adrian Murray Photography

Foto-Therapie Emerson entdeckt den Wald

Adrian Murray hatte Angst, seinen Sohn an eine Krankheit zu verlieren. Die Zeit mit dem Jungen wurde kostbar, der Kalifornier fing an, gemeinsame Momente im Foto festzuhalten. Heraus kam ein offensiv sentimentaler Naturbilderreigen.

Adrian Murray will einmal Zahnarzt werden. Derzeit studiert der 29-Jährige noch, in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Bald stehen die Prüfungen an. Danach hat der zweifache Vater vielleicht wieder mehr Zeit für seine Berufung.

"Ich hatte immer irgendwie eine Kamera", erzählt der 29-Jährige. Richtig angefangen zu fotografieren habe er aber erst nach dem Schock. Lange nach dem Tag, an dem Emerson seinen ersten Anfall hatte. Eine Stunde lang krümmte sich der Eineinhalbjährige in seinem Bettchen, er krampfte, die Eltern waren hilflos und völlig aufgelöst. In Panik brachten sie den Sohn in die Notaufnahme.

Die Ärzte stellten den kleinen Patienten ruhig, eine Diagnose aber konnten sie nicht sofort stellen. "Wir hatten keine Ahnung, was wir erwarten sollen, es war eine schreckliche Zeit", erinnert sich Murray. Nach Wochen stand fest: Der Junge leidet an Epilepsie. Er bekam Medikamente, die ihm halfen, ihn aber auch benebelten und seine Entwicklung verzögerten. "Er hat Monate gebraucht, um wieder auf ein normales Level zu kommen", so der Vater.

"Die Welt mit anderen Augen sehen"

Murray nahm sich viel Zeit, um Emerson zurück in die Normalität zu begleiten. Die beiden gingen zusammen in Parks, sie besuchten die Familienranch in Kalifornien, auf der Vater Adrian seine Kindheit verbracht hatte. Dies war der Moment, in dem Murray zur Kamera griff. In der Abgeschiedenheit entstanden zarte, anrührende Aufnahmen von Emerson, der mit Hirschen spielt, seinen Teddy über Wiesen schleift oder mit dem zotteligen Hofhund in die Ferne schaut.

"Die Krankheit hat Emerson nicht verändert, er war weiter in der Lage, sich der Natur vollkommen hinzugeben, stundenlang fasziniert ein Blatt anzustarren", sagt Murray. "Das wollte ich auch wieder können." Tatsächlich habe sein Sohn ihm in der Folge beigebracht, "die Welt mit anderen Augen zu sehen, so banal das auch klingt".

Über die sozialen Netzwerke machten die Fotos von Murray die Runde, die Familie war "überwältigt" von dem Zuspruch und dem Lob. "Es ist interessant, aber es ist auch ein bisschen seltsam, wenn die Familie plötzlich so öffentlich wird", sagt Murray. "Ich glaube, man lebt ohne Internet-Ruhm ruhiger."

ala