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07. Juli 2001, 17:43 Uhr

Fotostrecke Pamplona

Die Stiere sind los

Eine Woche Stierhatz im nordspanischen Pamplona: Allein beim ersten Treiben zu Ehren des heiligen San Fermin am vergangenen Sonntag wurden 62 Menschen verletzt. Sechs von ihnen schwer.

Pamplona - Nach Angaben des Roten Kreuzes mussten zehn der Opfer in Krankenhäuser gebracht werden. Die Schwerverletzten waren von den Stieren auf die Hörner genommen worden. Unter ihnen sind eine 27-jährige US-Touristin und ein 22 Jahre alter Brite. Der Zustand eines 27 Jahre alten Spaniers galt als besonders ernst: Ihn traf der Hornstoß in die Brust.


Zur Chupinazo, dem traditionellen Startschuss der San-Fermin-Feierlichkeiten, fanden sich Freitagabend Tausende vor dem Rathaus ein Pamplona sieht Rot: Tausende winken mit ihren Bandanas In der Hitze Pamplonas genießen die Besucher den kühlenden Regen
Gewappnet vor großem Durst: Stierhörner allenthalben Die Bullen sind los Die Beine in die Hand nehmen: In den engen Gassen der Altstadt ein durchaus schwieriges Unterfangen
Beeindruckendes Schauspiel: Dieser Mann kann noch von Glück sagen, dass nur sein Hemd auf die Hörner genommen wurde Wie soll man sich in dieser Situation verhalten? Können sich Pamplona-Reisende eigentlich schmerzversichern lassen? Die Verrückten sterben nicht aus: Begeisterte und Betrunkene, Einheimische und Touristen, Wagemutige und Ahnungslose im Bann der Stierhatz
Für diese 29-jährige Touristin aus den USA endeten die Feierlichkeiten mehr als schmerzhaft: Von einem Stier auf die Hörner genommen, kam sie gerade noch mit dem Leben davon Nicht nur die menschlichen Teilnehmer am Stierrennen haben Probleme, sich auf den Beinen zu halten Ungleicher Wettkampf: Die Stiere haben keine Chance. Sie werden in der Arena getötet



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Nach dieser Bilanz sind am Sonntag fast doppelt so viele Menschen verletzt worden wie zum Auftakt im Vorjahr. Der "encierro" (Lauf) vom Wochenende war besonders gefährlich, weil sich einige der Stiere von der Herde trennten und auf die Teilnehmer losgingen. Zudem herrschte auf der Strecke großer Andrang.

Bei dem Fest zu Ehren von San Fermin, dem Schutzheiligen Pamplonas, werden alljährlich zwischen dem 7. und dem 14. Juli morgens sechs Kampfstiere durch die engen Gassen der Altstadt bis in die Arena getrieben. Bis zu 2000 Waghalsige rennen dabei vor den 600 Kilogramm schweren Kolossen her. Als einzige "Waffe" dient den "mozos" eine zusammengerollte Zeitung. Die Strecke ist nur 825 Meter lang, aber dennoch lebensgefährlich.

Die "Sanfermines" wurden durch Ernest Hemingways Roman "Fiesta" aus dem Jahr 1926 weltberühmt. Seit 1924 kamen bei dem Spektakel 13 Läufer ums Leben. Der bislang letzte Tote, ein amerikanischer Tourist, war 1995 zu beklagen.

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