Frankfurt Entführtes Flugzeug gelandet

Das am Sonntagnachmittag entführte Kleinflugzeug ist um kurz nach 17 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen gelandet. Der Täter hatte zuvor gedroht, das Flugzeug auf die Stadt stürzen zu lassen.


Frankfurter Skyline: Das Ziel des Flugzeugentführers?
AP

Frankfurter Skyline: Das Ziel des Flugzeugentführers?

Frankfurt/Main - Der Flugzeugentführer wurde nach Polizeiangaben festgenommen. Der Mann habe eine Schusswaffe dabei gehabt und einen verwirrten Eindruck gemacht. Seine Identität ist bislang noch nicht bekannt. Die Sperrung der Frankfurter Innenstadt wurde nach kurzer Zeit aufgehoben, der öffentliche Nahverkehr wieder aufgenommen.

Der Flugzeugentführer hatte am Nachmittag ein Kleinflugzeug auf dem Flugplatz Babenhausen entführt und war über der Frankfurter Innenstadt gekreist. Im Fernsehsender n-tv hatte er angekündigt, er wolle keine Menschen zu Schaden bringen, sich nach der Aktion aber selbst umbringen. Der Frankfurter Flughafen hatte sämtliche Starts und Landungen um 15.52 Uhr gestoppt.

Mit der Entführung wolle er auf den Tod einer amerikanischen Astronautin beim "Challenger"-Unglück vor 17 Jahren aufmerksam machen: Sie sei die erste jüdische Astronautin im Weltraum gewesen und verdiene größere Beachtung, sagte der Mann gegenüber n-tv. Die US-Raumfähre explodierte am 28. Januar 1986, nur 75 Sekunden nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in zwölf Kilometern Höhe.

Wie der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Axel Raab, erklärte, hatte der Unbekannte auf dem Flugplatz Babenhausen südöstlich von Frankfurt am Main am frühen Nachmittag den Piloten der Maschine mit Waffengewalt zur Herausgabe des Flugzeugs gezwungen. Dann sei er mit der Maschine gestartet. Er war nach Augenzeugenberichten mindestens ein Mal sehr nahe an das EZB-Gebäude herangeflogen.

Die Polizei verhandelte mit dem Unbekannten; im Tower befand sich auch ein Polizeipsychologe. Der Treibstoff des Flugzeugs hätte nach Raabs Schätzung bis etwa 17.30 Uhr gereicht. Der Motorsegler kann sich aber auch ohne Treibstoff in der Luft halten.

Zwei Düsenjäger, die das gekidnappte Flugzeug verfolgten, kamen nicht so tief, wie der Motorsegler flog. Ein Polizeisprecher wies darauf hin, dass es sich dabei um ein leichtes und auch nicht sehr schnelles Flugzeug handelte. Er bestätigte, dass der Entführer die Europäische Zentralbank in der Innenstadt, ein Hochhaus an der Nibelungenallee und weitere mögliche Ziele für einen vorsätzlichen Absturz genannt hatte.

In der Frankfurter Innenstadt waren mehrere Straßen, darunter die Mainzer Landstraße, gesperrt. Die Polizei rief die Leute per Lautsprecher auf, die Straßen zu verlassen. Teile der Innenstadt, darunter der Platz rund um das höchste Bürohochhaus Europa, die Commerzbank, wurden geräumt. Der Verkehr wurde in weiten Teilen gesperrt, auch S-, U- und Straßenbahnen fuhren nicht mehr.



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