Frankreich Bauernrebell fährt mit dem Traktor ins Gefängnis

Spektakuläre Aktionen sind sein Markenzeichen, und die pflegt er, wo immer es geht. Deshalb fuhr José Bové am Mittwoch mit dem Traktor zur Haft. Der französische Bauer und Globalisierungskritiker muss für drei Monate einsitzen, weil er 1999 eine McDonald's-Filiale verwüstet hatte.


Landwirt Bové, Protestzug: Handfeste Globalisierungskritik
AFP

Landwirt Bové, Protestzug: Handfeste Globalisierungskritik

Montpellier - José Bové wollte nichts überstürzen und entschied, mit dem Traktor als standesgemäßem Verkehrsmittel zur Haftanstalt zu fahren. Und weil langes Treckerfahren nun mal anstrengt, legte er auf dem Weg dahin auch noch eine Pause ein. Folge: Bové verpasste seinen Hafttermin im südfranzösischen Montpellier um mehrere Stunden.

Der Einzug Bovés ins Gefängnis entwickelte sich kurzerhand zum Protest. Der Rebell führte einen Traktoren-Konvoi Gleichgesinnter an, denen am Straßenrand viele Bürger zujubelten. "Bové ins Gefängnis - und Chirac?" stand auf einem der Plakate, das auf die Korruptionsvorwürfe gegen Präsident Jacques Chirac anspielte.

Der Grund für Bovés Haftstrafe liegt schon drei Jahre zurück. Damals hatten die USA französischen Roquefort-Käse mit Strafzöllen belegt. Aus Protest verwüstete Bové eine im Bau befindliche Filiale der Schnellimbiss-Kette McDonald's im südfranzösischen Millau.

Dafür verurteilte ihn ein Gericht zu drei Monaten Haft, von denen er bereits 19 Tage im Untersuchungsgefängnis abgesessen hat. Bové hatte mehrfach Berufung gegen das Urteil eingelegt, konnte sich aber am Ende nicht durchsetzen. Allerdings hatten die Behörden mit der Aufforderung zur Haftantritt gewartet, bis die französischen Präsidenten- und Parlamentswahlen abgeschlossen waren.

Bové war schon mehrfach mit Behörden und Unternehmen aneinander geraten. So hatte er sich unter anderem an einer Aktion von Umweltschützern beteiligt, die in Südfrankreich Felder mit gentechnisch verändertem Mais zertrampelten. Der Mais war von der amerikanischen Biotechnologie-Firma Monsanto zu Versuchszwecken angebaut worden. Bové hatte dafür zehn Monate auf Bewährung erhalten. Zudem nahm der Landwirt in mehreren Ländern an Demonstrationen und Kundgebungen von Globalisierungskritikern teil.



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